Heinrich Müller

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Jurist und SS-Gruppenführer (1941)

    geboren: 28. April 1900 München gestorben: April 1945


    Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Müller in der politischen Abteilung der bayerischen Polizei, 1933 wurde er als Kriminalinspektor in den Sicherheitsdienst der SS übernommen. Obwohl Müller bis 1939 nicht NSDAP-Mitglied werden durfte, da die Münchner Gauleitung ihm sein dienstliches Vorgehen gegen viele Nationalsozialisten vor 1933 vorhielt, machte Müller durch Skrupellosigkeit und blinden Gehorsam rasch Karriere. Der von Heydrich u. a. wegen seiner Kenntnisse sowjetischer Geheimpolizeipraktiken geschätzte Müller war 1937 schon SS-Standartenführer und wurde 1940 SS-Brigadeführer. Von 1939-45 war er Chef des Amtes IV der Geheimen Staatspolizei im RSHA, wo er zusammen mit Heydrich u. a. die Verantwortung für den Scheinüberfall auf den Sender Gleiwitz trug. Als "Gestapo-Müller" wurde er wegen seiner Brutalität und Willkür im In- und Ausland zu einer der gefürchtetsten Gestalten der nationalsozialistischen Diktatur; er tat sich gleichermaßen bei der Verfolgung politischer Gegner wie in der routinierten Organisation des Massenmords an Juden hervor und unterzeichnete eigenhändig zahllose Deportations- und Hinrichtungsbefehle. Müller wurde zuletzt von Zeugen im Bunker unter der Reichskanzlei gesehen. Gerüchte, er sei umgekommen und am 17. 5. 45 beerdigt worden, ließen sich nicht beweisen.