Henri Philippe Pétain

    Aus Lexikon Drittes Reich

    französischer Marschall und Politiker

    geboren: 24. April 1856 in Cauchy-à-la-Tour gestorben: 23. Juli 1951 in Port Joinville


    im Ersten Weltkrieg zunächst als General Führer eines Korps, seit 1915 der 2. Armee, im Februar 16 Oberbefehlshaber der Verteidiger Verduns, am 15. 5. 17 Oberbefehlshaber des französischen Heers, 1922-31 Generalinspekteur der Armee, 1929 Mitglied der Académie Française, 1931 Inspekteur der Luftverteidigung, 1934 kurze Zeit Kriegsminister. Pétain, dessen Nimbus als "Sieger von Verdun" ungebrochen blieb, wurde im März 39 als Botschafter zu Franco geschickt, um die im Spanischen Bürgerkrieg fast gänzlich abgerissenen französisch-spanischen Beziehungen zu reparieren. Nach dem deutschen Angriff (10. 5. 40) berief Reynaud Pétain als nationale Symbolfigur ins Kabinett (stellvertretender Ministerpräsident) und musste ihm nach dem Fall von Paris am 16. 6. 40 als Regierungschef weichen. Pétain schloss am 22./24. 6. Waffenstillstand mit Deutschland und Italien und wurde am 10. 7. von der französischen Nationalversammlung in Vichy mit 569 zu 80 Stimmen zum Chef des "État Français" berufen und mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet.

    Pétain verfolgte einen Doppelkurs der begrenzten Zusammenarbeit mit der deutschen Besatzungsmacht und der gleichzeitigen Verweigerung. In Montoire gelang es ihm, Frankreich aus Hitlers Kriegsplänen herauszuhalten; er förderte aber die Bildung einer "Französischen Freiwilligenlegion gegen den Bolschewismus". Er stellte zeitweilig den Befürworter einer völligen Kollaboration, Laval, kalt, befahl aber am 8. 11. 42 den Widerstand der französischen Truppen gegen die alliierte Landung in Nordafrika. Er stand in geheimer Verbindung mit der britischen Regierung, ließ aber Geiselerschießungen und Judendeportationen durch die Deutschen ohne Protest geschehen. Nach innen setzte er auf den Ausbau eines korporativen Staats im Sinne der Action Française, entließ alle einstigen Repräsentanten der III. Republik, suchte die wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu mildern und kämpfte vergeblich um die Freilassung der französischen Kriegsgefangenen in Deutschland. Sein Doppelspiel war für die französische Öffentlichkeit nicht durchschaubar, für zahlreiche Franzosen war Pétain die Legitimation zur Kollaboration (Plakate: "Seid ihr französischer als er?"). Von den Deutschen am 20. 8. 44 nach Belfort und am 8. 9. nach Sigmaringen verbracht, stellte sich Pétain am 24. 4. 45 den französischen Behörden, obwohl de Gaulle sein Exil in der Schweiz vorgezogen hätte. So kam es vom 23. 7.-15. 8. 45 zum Prozess, der bei 14 zu 13 Richterstimmen mit dem Todesurteil für Pétain endete. Wegen des hohen Alters begnadigt, verbrachte er seine letzten Jahre in Festungshaft auf der Insel Yeu.