Hermann Rauschning

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 7. August 1887 in Thorn gestorben: 8. Februar 1982 in Portland, Oregon


    Studium der Musikgeschichte, Kriegsfreiwilliger, 1918 Mitarbeit in der deutschen Volksgruppe in Posen (Schrift: "Die Entdeutschung Westpreußens und Posens", 1929), 1926 Erwerb eines Bauernhofs in Danzig. Rauschning wandte sich der NSDAP zu, trat aber nicht wie allgemein behauptet 1926, sondern erst 1931 der Partei bei, als sich ihr Siegeszug abzeichnete, und wurde als konservatives Aushängeschild im Mai 33 ihr Spitzenkandidat bei der Volkstagswahl. Ab 20. 6. 33 Senatspräsident, leitete Rauschning eine scharfe nationalsozialistische, d. h. antisemitische Politik ein ("Säuberung des Volkes von fremden/ausländischen, destruktiven Persönlichkeiten") und pflegte einen aufwendigen Führerkult. Wegen ökonomischen Fragen überwarf er sich mit Gauleiter A. Forster und musste auf Hitlers Druck Ende 34 zurücktreten. Über Polen floh er in die Schweiz und veröffentlichte eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus ("Die Revolution des Nihilismus", 1938), von dem er sich nach eigener Aussage gleichwohl "innerlich nur schwer getrennt" hatte. Das Buch war äußerst erfolgreich, obwohl es mit dem Vorwurf, Hitler huldige einem programm- und prinzipienlosen Opportunismus, den Nationalsozialismus völlig verkannte. Auch die nächste Schrift "Gespräche mit Hitler", auf Anregung des ungarischen Pressezaren Emery Reves Ende 39 niedergeschrieben, wurde ein Bestseller und hat bis in die Gegenwart die Hitler-Historiographie beeinflusst. Zwar wurde ihr unmittelbarer Quellenwert bald bezweifelt, doch der "innere Wahrheitsgehalt" hoch veranschlagt. Nach Forschungen des Schweizer Lehrers W. Hänel steht heute jedoch fest, dass die "Gespräche" weitgehend frei erfunden waren und nach Zeugnis von Rauschning (in einem Privatbrief) auf "kümmerlichen Notizen" beruhten. Erstaunlich bleibt der täuschend ähnliche Hitler-Duktus der Aussagen, die z. T. mit späteren Äußerungen Hitlers in den Tischgesprächen völlig übereinstimmen (u. a. beim Thema Kirchen). Rauschning ließ sich 1948 in den USA nieder und publizierte u. a. Schriften zu Fragen der Deutschlandpolitik.