Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (HIAG), Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e. V., 1948/49 entstandene Vereinigung (erster Vorsitzender P. Hausser) zur Überwindung der Kriegsfolgen für Veteranen der Waffen-SS (ca. 300 000-400 000). Ihre Lage war nach der kollektiven Klassifizierung im Nürnberger Prozess als Angehörige einer "verbrecherischen Organisation" besonders schwierig, da Urteilseinschränkungen nicht ins Bewusstsein drangen. Hinzu kamen außenpolitische Rücksichten, die lange (bis 1961) eine Gleichstellung mit den Soldaten der Wehrmacht ausschlossen. Aus der Verbitterung der "Armee der Geächteten" entwickelte sich nach eher gemäßigten Anfängen ein Rechtfertigungsdrang, der zu wachsender Unbedenklichkeit im Umgang mit der historischen Wahrheit führte und stellenweise neonazistisches Gewicht bekam. Bei offizieller parteipolitischer Abstinenz sind Verbindungen der HIAG ins rechtsradikale Umfeld unübersehbar. Sie tauchte daher 1979-82 im Verfassungsschutzbericht des Innenministers auf. Ihre Zusammenkünfte sind regelmäßig von Protestdemonstrationen begleitet. Verbandsorgan: "Der Freiwillige" (seit 1956).