Hitler-Tagebücher

    Aus Lexikon Drittes Reich

    angebliche Aufzeichnungen Hitlers von 1932-45, mit deren Veröffentlichung die Illustrierte "Stern" am 28. 4. 83 begann, die sich aber wenige Tage später als plumpe Fälschungen entpuppten. Als besonders krasses Beispiel für Sensations- und Scheckbuch-Journalismus (ca. neun Millionen DM für 60 Kladden) führten die Hitler-Tagebücher zu einem der größten Presse-Skandale der Nachkriegszeit. Die kriminellen Umstände der Beschaffung, die dilettantische Prüfung und v. a. die unverhüllt revisionistische Vermarktung der angeblichen Hitler-Tagebücher ("Die Geschichte des Dritten Reichs wird in großen Teilen neu geschrieben werden müssen") erschütterten die gesamte Medienlandschaft und die Glaubwürdigkeit des deutschen Journalismus. Der nachfolgende Prozess um die Hitler-Tagebücher konnte nur die Straftatbestände der Herstellung und Beschaffung klären, umstritten bleiben die psychologisch-historischen Auslöser des Versuchs zur verspäteten Etablierung einer Dolchstoßlegende um den "Führer" (die Ausschreitungen der Kristallnacht "gingen ihm zu weit", er hatte keine "Kenntnis von den Terroraktionen der SS" bei Kriegsbeginn, Heß flog mit seinem Wissen nach England u. a.).