Hoßbach-Niederschrift

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von Hitlers Wehrmachtsadjutant Oberst Hoßbach aus eigenem Entschluss angefertigtes Protokoll über eine Besprechung bei Hitler in der Reichskanzlei am 5. 11. 37; Teilnehmer: Hitler, Reichsaußenminister Neurath, Reichskriegsminister Blomberg sowie die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile, Fritsch, Raeder, Göring, und Hoßbach. Die Hoßbach-Niederschrift wurde am 10. 11. 37 unterzeichnet und von Blomberg, der sie als einziger Gesprächsteilnehmer sah, zu den Akten genommen; eine Abschrift von 1943/44 spielte im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher eine umstrittene Hauptrolle beim Beweis für den Anklagepunkt Verbrechen gegen den Frieden.

    Bei der Besprechung ging es um die kriegerische Lösung der "deutschen Raumfrage", wie sie Hitler schon in "Mein Kampf" dargestellt und am 3. 2. 33 vor Reichswehrgeneralen wiederholt hatte. Er skizzierte drei Fälle: 1. Entscheidung spätestens 1943/45, bevor der deutsche Rüstungsvorsprung zusammengeschmolzen sei; 2. Vorverlegung des Entschlusses zur "Anwendung von Gewalt unter Risiko" gegen die "Tschechei", falls Frankreich durch innenpolitische Schwierigkeiten hinreichend gelähmt sei; 3. bei Ausbruch eines militärischen Konflikts zwischen Italien und den Westmächten (z. B. um Mittelmeer-Positionen) "blitzartiges" Niederwerfen Österreichs und der Tschechoslowakei schon 1938 zur Ausschaltung der "Flankenbedrohung". Gegen diese Gewaltpolitik erhoben Blomberg und Fritsch militärische Einwände, der Außenminister war nach eigener Aussage "erschüttert" und Marinechef Raeder verwies auf die ungenügende Seerüstung. Beschlüsse wurden nicht gefasst. Hitler hielt aber unbeirrt an dem in der Hoßbach-Niederschrift niedergelegten Programm fest und schaltete die militärischen Hauptopponenten in der Fritsch-Krise aus, in deren Folge auch Neurath sein Ministeramt verlor.