Houston Stewart Chamberlain

    Aus Lexikon Drittes Reich

    britisch-deutscher Kulturphilosoph und Schriftsteller

    geboren: 9. September 1855 in Portsmouth gestorben: 9. Januar 1927 in Bayreuth


    Kindheit in Versailles, Schulzeit in England, Studium in der Schweiz. Als 20-Jähriger hörte Chamberlain erstmals die Musik von R. Wagner und wurde von ihr magisch angezogen: Seit 1882 nahm er regelmäßig an den Bayreuther Festspielen teil, heiratete 1908 in zweiter Ehe Wagners Tochter Eva und lebte seit 1909 ganz in Bayreuth; 1916 deutscher Staatsbürger. Auch Wagners rassentheoretische Ansichten, von Gobineau herkommend, wirkten auf Chamberlain, der sie in seinem Hauptwerk "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" (2 Bände, 1899) zu einer "asemitischen" Kulturtheorie ausbaute: Kulturschöpferisch seien v. a. die Germanen, deren "rassische Grundkräfte" im deutschen Volk am unverbrauchtesten bewahrt seien; die Juden dagegen verkörperten das zerstörerische Prinzip. Chamberlain appellierte daher an das "Rassegewissen" der Deutschen und propagierte die "Reinigung" des Christentums von jüdischen Elementen. Er wurde damit zu einem Vorläufer sowohl des nationalsozialistischen Rasseantisemitismus wie der völkischen Theologie der Deutschen Christen. Zu Chamberlains Bewunderern gehörten Kaiser Wilhelm II. und Hitler, den Chamberlain 1924 persönlich kennen und schätzen lernte. Dennoch ist der direkte Einfluss Chamberlains auf Hitler schon wegen dessen ganz anderer Haltung in der religiösen Frage weit niedriger zu veranschlagen als etwa auf die rassistischen Konstruktionen von Rosenberg.