Imperialismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (lateinisch imperium = Staatsgewalt sowie das Gebiet ihrer Geltung), Herrschafts- und Expansionsstreben von Staaten notwendigerweise auf Kosten anderer, ausgelöst durch religiöse, wirtschaftliche und/oder machtpolitische Motive. Der heute meist polemisch-schlagwortartig verwendete (Negativ-)Begriff des Imperialismus wird in der Geschichtswissenschaft zur Kennzeichnung historischer Strömungen verwendet, insbesondere für den Expansionismus der europäischen Großmächte und der USA im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, dem so genannten Zeitalter des Imperialismus, dessen Rivalitäten sich im Ersten Weltkrieg entluden, in veränderter Frontstellung aber fortbestanden. Sie äußerten sich als verschleierter Imperialismus des italienischen Faschismus und des deutschen Nationalsozialismus, der seinen Anspruch auf Lebensraum als völkisch und daher im Gegensatz zum kolonialistischen oder wirtschaftlichen ("Dollar-Imperialismus") Imperialismus als berechtigt ausgab: "Die wahrhaft imperialistischen Großreiche der Zukunft werden deshalb die sein ... die sich grundsätzlich auf den vom eigenen Volk schöpferisch erschlossenen Raum beschränken" (Meyers Lexikon, 1938). Der Verlauf des Zweiten Weltkriegs entlarvte diese These als Bemäntelung der wesentlich weiter gesteckten Ziele des Nationalsozialismus als rassistischer Imperialismus, der damit endgültig diskreditiert war. Daher erhielt nach 1945 die marxistische Deutung Auftrieb: "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" (Lenin 1916/17). Diese heute in Abwandlung vielfach vertretene rein ökonomische Sicht des Imperialismus verkennt wie der Antifaschismus die spezifisch nationalsozialistischen Momente im deutschen Imperialismus des Dritten Reichs. Judenverfolgung und Endlösung weisen ihn als primär rassisch, insbesondere antisemitisch motiviert und somit in der wahnhaften Fixierung auf einen "Endkampf zwischen Ariertum und Judentum" eher als Abart des religiösen Imperialismus aus.