Innere Emigration

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von Thieß 1933 geprägte Bezeichnung für die Widerstandshaltung von in Deutschland nach der Machtergreifung verbliebenen Schriftstellern. Der Begriff innere Emigration wurde später ausgeweitet auf alle, die sich dem Nationalsozialismus verweigerten, aber ihre Heimat nicht verlassen wollten. Zwischen Emigration und Innerer Emigration kam es bald zu Kontroversen, die auch nach dem Krieg nicht verstummten, zumal nun auch der bloße Rückzug ins Private von vielen als innere Emigration ausgegeben wurde. Hinzu kam der Vorwurf, dass Bleiben - u. a. durch Steuerzahlen, Konsum, Wehrdienst - jeden in Teilbereichen zum Komplizen des Unrechtsregimes machte. Was gebliebene Gegner des Nationalsozialismus als Widerstand meinten, sah zudem von außen kaum danach aus, da es sich im gleichgeschalteten Staat sprachlich raffiniert - u. a. durch Anleihen beim Gegner, Teilzustimmung - tarnen musste.