Italien

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Königreich in Südeuropa mit rund 310 000 km² und 41,2 Millionen Einwohnern (1931). Der Triumph des Faschismus (28. 10. 22 Marsch auf Rom, 31. 10. 22 Mussolini Ministerpräsident) resultierte aus den Konflikten im Nachkriegs-Italien: Enttäuschung über den "verstümmelten Sieg" von 1918/19 und Aufflammen eines radikalen Nationalismus (D'Annunzio), wirtschaftliche und soziale Krise, Streikbewegungen, Selbstblockade des parlamentarisch-demokratischen Systems mit schnell wechselnden Regierungen, Zerfall der politischen Mitte, radikale kommunistische und sozialistische Umsturzpläne, Revolutionsangst in Bürgertum und Großgrundbesitz. Der schrittweisen Etablierung des totalitären faschistischen Korporativstaats im Innern seit 1923 unter Beibehaltung zwar kollaborierender, aber autonomer Machtzentren (Krone, Kirche, Industrie) entsprach nach außen zunächst eine insgesamt maßvolle und vorsichtige Außenpolitik der internationalen Zusammenarbeit (1925 Locarnopakt, 1929 Lateranverträge) mit Abgrenzung gegen Berlin insbesondere nach der Ermordung des österreichischen Kanzlers Dollfuß. Erst die Aufnahme einer imperialen Eroberungspolitik nach römischem Vorbild (3. 12. 35 Überfall auf Abessinien, 12. 4. 39 Besetzung Albaniens) führte zur engeren Anlehnung an Deutschland (25. 10. 36 Achse, Spanischer Bürgerkrieg, 5. 11. 37 Beitritt zum Antikominternpakt, 30. 9. 38 Münchener Abkommen, 22. 5. 39 Stahlpakt) und nach einer Periode der "non-belligeranza" 1939/40 schließlich mit dem Kriegseintritt (10. 6. 40) zu einem politisch-militärischen "Satellitenstatus" an der Seite des Deutschen Reichs. In der engen Verkettung des italienischen mit dem deutschen Schicksal durch Mussolini zeigte sich das faschistische Italien den hohen Belastungen des Krieges und der Kriegswende (Afrikafeldzug, Invasion) nicht gewachsen. König Viktor Emanuel III. ließ daher nach einem Misstrauensvotum des Faschistischen Großrats Mussolini am 25. 7. 43 verhaften und floh wenig später mit seinem neu ernannten Ministerpräsidenten Badoglio unter den Schutz der Alliierten. Er schloss am 3. 9. 43 einen Waffenstillstand und führte fortan von einem provisorischen Regierungssitz in Bari aus in einer Art "Doppelregierung" zusammen mit einem neu gegründeten "Comitato de Liberazione Nazionale" (CLN) der antifaschistischen Parteien Italien in den Status der "co-belligeranza" mit Briten und Amerikanern.

    Nach seiner Befreiung durch deutsche Fallschirmjäger (12. 9. 43) gründete Mussolini als deutsche "Marionette" bei zunehmenden Aktivitäten einer aus Jugoslawien unterstützten Partisanenbewegung in der Po-Ebene am 15. 9. 43 die faschistische "Repubblica Sociale Italiana" in Salò am Gardasee; Rest-Italien wurde von deutschen Truppen besetzt. Sie kapitulierten am 28. 4. 45 (2. 5. bekannt gegeben) in Oberitalien. Am gleichen Tag wurde Mussolini von kommunistischen Partisanen erschossen. Italien wurde am 18. 6. 46 Republik.