Jakob Wilhelm Hauer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Religionswissenschaftler

    geboren: 4. April 1881 Ditzingen (Württemberg) gestorben: 18. Februar 1962 Tübingen


    zunächst Gipser, dann, zum Missionar ausgebildet, 1907-11 Arbeit in Indien. Das Studium der indischen Religionen relativierte Hauers Christentum, das er nun als nur eine der möglichen Ausdrucksformen menschlicher Religiosität begriff. 1925-27 Professor in Marburg und 1927-49 in Tübingen, verengte sich seine zunächst tolerante, kosmopolitische Haltung (1927 Gründung des "Religiösen Menschheitsbundes") zu völkischer Indolenz, die Hauer in die Nähe des Nationalsozialismus rückte. Auf seine Initiative ging die Sammlung der zahlreichen Sekten in der Deutschen Glaubensbewegung (August 33) zurück, die er bis 1936 führte. Die wachsende Unduldsamkeit der Bewegung gegen alles Christliche führte zu seinem Austritt und zur Entfremdung vom Nationalsozialismus, gegen dessen Judenverfolgung Hauer anlässlich der Kristallnacht öffentlich protestierte. Dennoch hat er durch Schriften (u. a. "Deutsche Gottschau", 1934) und frühe Reden der nationalsozialistischen Ideologie den Weg bereitet. Er wurde daher nach dem Krieg als Professor entlassen.