Japan

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (amtlich Nippon), konstitutionelles Kaiserreich in Ostasien mit 381 814 km2 und rund 64,4 Millionen Einwohnern (1930). Der japanische Expansionismus und Nationalismus wurzelte in der außenpolitischen Demütigung seit 1918, den sozialen und bevölkerungspolitischen Hypotheken einer forcierten Industrialisierung und Modernisierung nach westlichem Vorbild und in den Gegensätzen innerhalb der Führungsschichten: Verweigerung der Ansprüche auf China und der politisch-militärischen Gleichrangigkeit als Sieger des Ersten Weltkriegs seitens der Westmächte ("Japans Versailles") und in Antwort darauf Entwicklung eines radikal völkisch-rassistischen Sendungsbewusstseins des "Volkes der Götter" als ostasiatische Führungsmacht gegen die "weißen" Kolonialherren und - ähnlich wie in Deutschland und Italien -; eines nationalistischen Revisionismus; herausgehobene Stellung der nach preußischen Modell aufgebauten Armee als Anwalt deklassierter bäuerlicher und städtischer Unterschichten mit dem Programm einer "nationalen Wiedergeburt" Japans nach außen ("Lebensraum" auf dem Festland für den Bevölkerungsüberschuss mit deutlich antisowjetischer Stoßrichtung) und innen (autoritärer und antikapitalistischer Kurs mit faschistischen Zügen, 1936 Putschversuch) als Mittel der Massenmobilisierung und nationalen Integrationsklammer; dagegen eine konservative Oligarchie aus Großindustrie, Großlandwirtschaft, Hofkreisen, Parteipolitikern und Marineführung, die den gesellschaftlich-ökonomischen Status quo im Innern verteidigten und durch südliche Expansion Rohstoff- und Absatzmärkte erstrebten; Unfähigkeit eines abgehobenen Gottkaisertums (seit 1926 Hirohito) und eines unterentwickelten parlamentarisch-demokratischen Systems, die divergierenden Kräfte zu koordinieren.

    Ein ständig zur gewaltsamen Entladung drängender demographischer, politisch-ideologischer und sozioökonomischer Überdruck im Innern engte wie in Deutschland den äußeren Bewegungsspielraum der Regierung zwischen den Machtpolen Berlin, Moskau und Washington zunehmend ein: seit 1931 unter dem Diktat des Heeres Expansion auf dem Festland (1931 Mandschurei, 1933 Austritt aus dem Völkerbund, seit 1937 Krieg gegen China) mit Anlehnung an die Achse Berlin-Rom (1936 Antikominternpakt, 1940 Dreimächtepakt) bei wachsender Gegnerschaft der Sowjetunion (1938/39 verlustreiche Grenzkonflikte) und der Westmächte. Vor dem Dilemma, entweder den Wirtschaftssanktionen der USA als Protektor Chinas und Niederländisch Indiens (Embargo auf Öl, Kautschuk, Zinn, Reis, Eisen und Stahl, Sperrung der japanischen Guthaben in den USA) 1940/41 weichen und die Positionen in China, Französisch Indochina und in der Mandschurei wieder räumen zu müssen oder sich bei schwindenden Öl- und Lebensmittelvorräten wirtschaftlich "erdrosseln" zu lassen, wählte das japanische Kabinett unter General Tojo am 7. 12. 41 mit dem Angriff auf Pearl Harbor die "Flucht nach vorn": Gedeckt durch den Nichtangriffspakt mit Moskau vom 13. 4. 41 (erst 8. 8. 45 Kriegseintritt der UdSSR), suchte Japan im Pazifik-Krieg (Zweiter Weltkrieg) die militärische Entscheidung. Nach einer Phase rascher Siege und gewaltiger Expansion mit einer oft brutalen Besatzungspolitik kam die Kriegswende mit der verlustreichen See-Luft-Schlacht bei den Midway-Inseln (4.-7. 6. 42). Die enorme räumliche Überstrapazierung der beschränkten japanischen Ressourcen, hohe Flottenverluste, Bombenangriffe auf Tokio, Rohstoff- und Lebensmittelmangel, Transportschwierigkeiten und schließlich die Atombomben auf Hiroshima (6. 8. 45) und Nagasaki (9. 8. 45) führten am 2. 9. 45 zur japanischen Kapitulation. Die Proklamation einer "Großostasiatischen Wohlstandssphäre" unter japanischer Führung und die Parole "Asien den Asiaten" sollten bereits im Krieg den Dekolonisationsprozess in Gang setzen.