Jiddisch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    in hebräischen Buchstaben geschriebene Sprache der nicht assimilierten Juden insbesondere Osteuropas, die vor der Pogromstimmung der Kreuzzugszeit und vor der Pest aus Deutschland auszogen und ihr hebräisch durchsetztes Mittelhochdeutsch mitnahmen. In der Folgezeit reicherte sich das Jiddisch stark mit slawischen Elementen an, ohne den deutschen Grundbestand zu verdrängen. Hoher Assimilationsdruck ließ es im 19./20. Jahrhundert vielfach zur Zweitsprache absinken, wogegen sich in bewusster Erneuerung eine reiche jiddische Literatur bildete. Die nationalsozialistischen Antisemiten sahen im Jiddisch eine "Vergewaltigung" der deutschen Sprache und konstatierten "entlarvende" Zusammenhänge zwischen diesem Idiom und "der deutschen Gaunersprache, dem Rotwelsch". Die Eroberung Polens und die Besetzung des westlichen Russlands 1939-44 durch deutsche Truppen und die damit einsetzende Verfolgung und Vernichtung des osteuropäischen Judentums zerstörten die Basis des Jiddischen. Was sich an Resten erhielt oder entkam, war fortan entwurzelt und wurde durch stalinistische Maßnahmen gegen die Intellektuellen 1948 weiter dezimiert. Jiddisch wird noch heute von Juden in aller Welt gesprochen, seine Vitalität aber scheint mit dem Verlust des kulturellen Hintergrunds gebrochen.