Joachim von Ribbentrop

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher nationalsozialistischer Politiker

    geboren: 30. April 1893 in Wesel gestorben: 16. Oktober 1946 in Nürnberg


    wenig erfolgreiche Schulzeit, Banklehre, Gelegenheitsarbeiter in Kanada und USA, im Ersten Weltkrieg zuletzt Oberleutnant. Der gut aussehende Ribbentrop heiratete 1920 Annelies Henkell, Tochter des schwerreichen Sektfabrikanten, und übernahm die Repräsentation der Firma in Berlin (daher sein späterer Spitzname "der Weinreisende"). 1925 konnte er sich nach Adoption durch eine adlige Tante mit dem "von" schmücken und führte ein großes Haus in Dahlem. Dort trafen sich nach Ribbentrops NSDAP-Beitritt (1. 5. 32) mehrmals Papen und Hitler im Vorfeld der Machtergreifung, nach der Ribbentrop rasch vorwärts kam (Dienststelle Ribbentrop). Als außenpolitischer Berater Hitlers gelang ihm am 18. 6. 35 mit dem Deutsch-Britischen Flottenabkommen ein erstaunlicher diplomatischer Erfolg, der zu seiner Ernennung zum deutschen Botschafter in London führte (August 36-Januar 38). Wegen seines arroganten und taktlosen Auftretens stieß er in England allerdings zunehmend auf Ablehnung und gewann die Überzeugung unüberbrückbarer deutsch-britischer Gegensätze.

    Sie leitete danach den Außenminister Ribbentrop (4. 2. 38), der in seiner Willfährigkeit Hitler gegenüber kaum mehr als dessen Sonderbotschafter war. Den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39, der Rückenfreiheit für Hitlers Polenfeldzug bedeutete, sah Ribbentrop als persönlichen Verdienst und litt im Krieg unter der sinkenden Bedeutung seines Amts. Daran änderten auch Verträge wie der Dreimächtepakt oder die Wiener Schiedssprüche nichts, zumal Ribbentrop als Vertreter eines Imperialismus wilhelminischer Prägung die wahren Ziele Hitlerscher Außenpolitik kaum verstand. Um nicht den Anschluss zu verlieren, stellte er sich und sein Amt ganz in den Dienst der Endlösung, indem er auf abhängige und verbündete Länder Druck ausübte, die jüdischen Bürger der SS auszuliefern. Am 14. 6. 45 verhaftet, wurde Ribbentrop im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zum Tod verurteilt. 1953 erschienen postum seine Memoiren: "Zwischen London und Moskau".