Josef Lanz

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer Rassenideologe

    geboren: 19. Juli 1874 Wien gestorben: 22. April 1954 ebd.


    (Klostername: Georg, Schriftstellername: Jörg Lanz von Liebenfels), 1893 Eintritt in den Zisterzienserorden. Lanz erlebte 1894 seine "Erleuchtung", als ihm schlagartig klar wurde, dass die Welt beherrscht sei vom Gegensatz zwischen "blau-blondem Ariertum" und dem "Niederrassentum", das durch Rassenmischung entstehe. 1899 verließ er das Kloster und gründete einen eigenen "Orden des Neuen Tempels", der sich ganz dem Kampf um Rassenentmischung und um "blaublonde Reinzucht" widmete. Lanz kaufte die Burg Werfenstein, entwarf als Symbol seiner sich ausbreitenden Sekte eine Fahne mit rotem Hakenkreuz und blauen Lilien auf goldenem Grund und gab ab 1905 die "Ostara"-Hefte heraus. Sie variierten Lanz' einziges Thema, das er 1904 in der Schrift "Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götter-Elektron" umrissen hatte. Darin entwarf Lanz schon Konzepte der Versklavung von "Minderrassigen", wie sie später in den nationalsozialistischen Herrenmenschen-Thesen wiederkehrten. Hitler besuchte Lanz 1909, weil ihm "Ostara"-Hefte fehlten. Der Anteil von Lanz-Ideen in Hitlers Weltanschauung ist dennoch umstritten. Das Schreibverbot für Lanz nach dem Anschluss 1938 mag als Distanzierung vom Schwärmerischen des Ordensgründers gelten, aber auch als Versuch Hitlers zu deuten sein, Fremdanteile am eigenen Weltbild zu verdrängen.