Joseph Wirth

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 6. September 1879 in Freiburg im Breisgau gestorben: 3. Januar 1956 in Freiburg im Breisgau


    Studienrat, 1914-33 MdR für das Zentrum, 1920/21 Reichsfinanzminister. Wirth wurde am 10. 5. 21 ohne Reichstagsmehrheit Reichskanzler mit Hilfe der Weimarer Koalition, akzeptierte das Ultimatum der Londoner Konferenz vom 5. 5. 21 in der Reparationsfrage und leitete damit die Erfüllungspolitik ein. Zusammen mit seinem Außenminister Rathenau flankierte er sie mit einer Öffnung nach Osten im Rapallo-Vertrag. Innenpolitisch mühte er sich um Stabilisierung des demokratischen Systems und brachte nach der Ermordung Rathenaus das Republikschutzgesetz durch (Schlagwort: "Der Feind steht rechts!"). Die Verbreiterung seiner parlamentarischen Basis zu einer Großen Koalition misslang, so dass Wirth am 14. 11. 22 zurücktrat. 1929-31 war er Minister unter H. Müller und Brüning und ging nach der Machtergreifung ins Schweizer Exil, wo er die Gruppe "Demokratisches Deutschland" gründete. Nach dem Krieg wandte er sich strikt gegen die Westintegration der Bundesrepublik, fand aber mit seinen politischen Initiativen kaum noch Resonanz (u. a. Gründung der "Union der Mitte", 1948).