Judentum

    Aus Lexikon Drittes Reich

    ursprünglich Volk und Religion im Vorderen Orient, später in der Zerstreuung (Diaspora) in allen Weltteilen lebende Religionsgemeinschaft, die nur noch wenige oder gar keine gemeinsamen Volksmerkmale mehr hat. Das Judentum als älteste monotheistische Religion, Mutter von Christentum und Islam, kennzeichnet die These von der göttlichen Erwähltheit des es tragenden Volks, ausgedrückt im Bund des Stammvaters Abraham mit Jahwe (Gott) am Berg Sinai und der Übergabe der Gesetzestafeln (Thora) an das Gottesvolk Israel. Die Erwählung wurde und wird von den Juden als Auftrag gegenüber der ganzen Welt begriffen, spornte zu ungewöhnlichen Leistungen an, führte aber auch zu ständigem Konflikt mit anderen Völkern und letztlich zum Antisemitismus. Der hohe Selbstanspruch und die Unbeugsamkeit des Judentums lösten schließlich auch die Zerstreuung in die ganze Welt aus, nachdem Römisches Reich und islamische Eroberung das Judentum als Volkseinheit zerschlagen hatten.

    Der gemeinsame Glaube und Ritus schützte die kleinen, verstreuten jüdischen Gruppen vor dem Verlust der religiösen Identität, brachte aber, auch wegen ihrer Wehrlosigkeit, neue Anfeindungen und insbesondere berufliche Einschränkungen. Frei entfalten konnten sich die Juden v. a. im Finanzwesen, da Zinsnahme dem Christen untersagt war. Das führte, oft auch wucherisch missbraucht, zu als bedrohlich empfundenen Abhängigkeiten, gegen die immer wieder mit Gewaltaktionen (Pogromen) aufbegehrt wurde. Sie ließen sich in christlicher Umwelt religiös motivieren, da den Juden Christi Kreuzestod als "Gottesmord" angelastet wurde. Ihre hermetischen Bräuche nährten zudem den Verdacht der Geheimbündelei und Gerüchte über rituelle Morde oder Brunnenvergiftung. Die Juden gerieten so in eine Sündenbock-Rolle, die ihre Existenz gefährdete.

    Viele Juden sahen in dieser Lage das Heil allein in weiterer Anpassung (Assimilation) an die Gastvölker. Diese Tendenz erhielt in der Zeit der Aufklärung starke Impulse, als von beiden Seiten dogmatische Hindernisse abgebaut wurden. Es kam in Deutschland zu weitgehender Emanzipation der Juden und zur Gleichstellung in der Reichsverfassung 1871. Dagegen entwickelte sich eine moderne Variation des alten religiösen und Neid-Antisemitismus: der Rassenhass. Nach über einem Jahrtausend gegenseitiger Vermischung wurde im Gefolge und in unzulässiger Übertragung der Erkenntnisse der Biologie das Judentum als "Rasse" entdeckt, die "von Grund auf fremdartig und verdorben" sei: Assimilation hatte in dieser Weltanschauung keinen Platz; bis sie allerdings wirksam werden konnte, bedurfte es einer Kette von Verhängnissen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht voraussehbar war. So fand Herzl im Judentum zunächst wenig Resonanz mit seinem zionistischen Konzept. Erst die nationalsozialistische Judenverfolgung, der ein Drittel des europäischen Judentums zum Opfer fiel, zerstörte alle assimilatorischen Hoffnungen und führte zur Wiederversammlung des Judentums im Ursprungsland Palästina.