Jugendbewegung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nach 1900 anwachsende Bestrebung einer Elite der Jugend des "neuen Mittelstandes", aber auch des Proletariats, selbständig Freizeitaktivitäten zu gestalten. Nur mittelständische Gruppen konnten sich erfolgreich von der staatlich unterstützten "Jugendpflege" durch Erwachsenenorganisationen emanzipieren und, insbesondere durch Wandern und Gruppenfahrten, eine neuromantische „Jugendkultur" entwickeln. Die auf dem "freideutschen Jugendtag" 1913 verkündete Absage an politische, wirtschaftliche und konfessionelle Festlegungen erwies sich allerdings schon im Krieg als illusionär. Der politische Meinungsstreit der Älteren aus dem "Feldwandervogel" wurde von den Jüngeren mit der Forderung nach im Jugendalter zu begründenden "Bünden" beantwortet (Jungdeutscher Orden). Die Idee der "Bündischen", von "jugendgemäßen" Lebensformen her eine Basis für die Einigung der Nation zu schaffen, wurde zunehmend auch von den Jugendpflegeverbänden aufgegriffen ("Weimar der arbeitenden Jugend", 1920). Doch gegen Ende der 20er Jahre modernisierten sich diese Lebensformen. Neben die Lagerromantik trat die Bereitschaft, "Sozialismus" in Arbeitslagern zu praktizieren. Die Gruppe verlor an Bedeutung gegenüber der kollektiven Selbstdarstellung in uniformierten Marschkolonnen, die sich mit der Hinwendung zu Technik und Sport verband. Diese Wendung wurde in der 1. Phase der nationalsozialistischen Machtergreifung als Bedürfnislage der gesamten jungen Generation dargestellt und mit Angeboten unter dem Vorzeichen des neuen Staates beantwortet. Die "Gliederungen" der NSDAP für ihre Sympathisanten wurden als Männer- und Jugend"bünde" ausgegeben. "Bündische Umtriebe", die sich der Gleichschaltung widersetzten, wurden jedoch geächtet. Mitglieder der Jugendbewegung sind so auf hohe Posten in der SS gelangt, aber auch Opfer des Terrorsystems geworden.