Jugoslawien

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Staat in Südosteuropa mit rund 250 000 km² und 13,9 Millionen Einwohnern (1931). Jugoslawien entstand am 1. 12. 18 durch Proklamation des "Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen" (Kgr. SHS) als konstitutionelle Monarchie mit stark zentralistischem Einschlag (Verfassung vom 28. 6. 21) aus den Königreichen Serbien und Montenegro sowie Teilen Österreich-Ungarns und trug den Namen Jugoslawien seit dem 3. 10. 29. Die große innenpolitische Instabilität (1918-29 insgesamt 44 Kabinettskrisen) war bedingt durch die Spannungen zwischen großserbisch-einheitsstaatlichen (Serben) und südslawisch-föderalistischer Tendenzen (Kroaten), durch Minderheitenfragen, unterschiedliche historisch-kulturelle Entwicklungen, wirtschaftliche Probleme der Agrargesellschaft und Grenzfragen, die unmittelbar auf die Innenpolitik zurückwirkten.

    Mit dem Ziel einer inneren Konsolidierung auf zentralistisch-bürokratisch-antihistorischer Grundlage errichtete Alexander I. mit Staatsstreich vom 6. 1. 29 eine autoritäre "Königsdiktatur". Nach seiner Ermordung am 9. 10.34 in Marseille folgte ein Regentschaftsrat mit dem Prinzregenten Paul für den minderjährigen König Peter II. Außenpolitisch sicherte sich Jugoslawien gegen die revisionistischen Ansprüche seiner Nachbarn durch die Kleine Entente, ein Bündnis mit Frankreich (11. 11. 27), den Balkanpakt mit Rumänien, Griechenland und der Türkei (9. 2. 34) sowie Einzelverträge. Mussolinis Schritte zur Verwirklichung des "mare nostro" (7. 4. 39 Besetzung Albaniens, 28. 10. 40 Angriff auf Griechenland) und zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeit (1. 5. 34 deutsch-jugoslawischer Handelsvertrag) führten 1939/41 bei formaler Neutralität zu einer immer engeren politischen Anlehnung an Berlin: 25. 3. 41 Beitritt zum Dreimächtepakt. Dagegen kam es am 27. 3. 41 zum Militärputsch mit antideutscher Spitze, der zur Auslösung des Balkanfeldzuges beitrug und damit zum Untergang des Staats Jugoslawien: 10. 4. Proklamation eines "Unabhängigen Staates Kroatien" durch Pavelić, selbständiger Staat Montenegro. Das restliche jugoslawische Gebiet wurde zwischen Deutschland, Italien, Ungarn und Bulgarien aufgeteilt.

    Völkerrechtlich existierte Jugoslawien in der Londoner Exilregierung unter Peter II. weiter, die aber 1943 in Teheran von Moskau und den Alliierten fallen gelassen wurde. An ihre Stelle trat die kommunistische Partisanenbewegung Titos, der schrittweise eine Nachkriegsordnung für Jugoslawien vorbereitete: 29. 11. 43 provisorische Regierung, 8. 3. 45 Koalitionsregierung unter Tito auch mit Vertretern der Londoner Exilregierung und früherer Parteien. Schon am 29. 11. 45 jedoch war die Umwandlung in den kommunistischen Einheitsstaat "Föderative Volksrepublik Jugoslawien" abgeschlossen. Er trug noch lange schwer an den Folgen der verlustreichen Fremdherrschaft und des erbitterten Bürgerkriegs zwischen kommunistischen und nichtkommunistischen Partisanen. Das Kapitel Kollaboration wurde mit einer blutigen Abrechnung geschlossen.