Julius Leber

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker und Widerstandskämpfer

    geboren: 16. November 1891 in Bliesheim, Elsass gestorben: 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee


    Volkswirt und Historiker; 1913 SPD-Mitglied; Kriegsfreiwilliger; 1920 an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt; Redakteur des "Lübecker Volksboten"; 1921-33 Mitglied der Lübecker Bürgerschaft und 1924-33 zugleich Mitglied des Reichstags. Leber wurde Wehrexperte seiner Partei, was ihn nach Anfängen auf dem linken Flügel allmählich nach rechts ins reformerische Lager führte. Vielleicht machte ihn das 1933 anfällig für die nationalen Töne der neuen Regierung, die den starken Staat versprach, den Leber erhoffte und für unausweichlich hielt. Seiner eigenen Partei attestierte er angesichts der nationalsozialistischen Herausforderung "Tatlähmung". Gleich nach der Machtergreifung verhaftet, suchte er noch im Gefängnis der Entwicklung Positives abzugewinnen, verließ aber nach vier Jahren Haft das KZ Oranienburg als unversöhnlicher Feind des Nationalsozialismus. Leber lebte danach als Kohlenhändler in Berlin und wurde eine der führenden Figuren im Widerstand, den er auf eine breite demokratische Grundlage zu stellen suchte. Als Innenminister einer künftigen Regierung Goerdeler vorgesehen, nahm er am 4. 7. 44 Kontakt zu kommunistischen Widerstandskämpfern auf, wurde aber dabei Opfer eines Gestapo-Spitzels. Lebers Verhaftung am nächsten Tag veranlasste Stauffenberg, seinen Attentatsplan zu forcieren, nach dessen Scheitern Leber im Oktober 44 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt wurde. "Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis", schrieb er kurz vor der Hinrichtung. 1952 erschienen seine Reden, Schriften und Briefe: "Ein Mann geht seinen Weg".