Julius Streicher

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 12. Februar 1885 in Fleinhausen, Schwaben gestorben: 16. Oktober 1946 in Nürnberg


    Volksschullehrer, Kriegsfreiwilliger, 1919 Mitbegründer der antisemitisch-völkischen Deutsch-sozialen Partei und mit ihr 1921 Übertritt zur NSDAP. Streicher begründete 1923 die antisemitische Zeitschrift "Der Stürmer", nahm am Hitlerputsch vom 9. 11. 23 teil und wurde deswegen vom Schuldienst suspendiert. Während der Verbotszeit der NSDAP war er führend tätig in der Ersatzorganisation Großdeutsche Volksgemeinschaft und errang 1924 ein Landtagsmandat (bis 1932). Nach Hitlers Entlassung aus der Haft wurde Streicher 1928 Gauleiter in Franken ("Frankenführer") und am 12. 1. 33 MdR (bis 1945). Obwohl selbst in der Partei wenig geschätzt, blieb Streicher ein Protegé Hitlers, der die primitive antijüdische Hetze für die richtige Einstimmung der Bevölkerung auf die Judenverfolgung ansah. Streicher erhielt daher 1933 auch die Leitung des "Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze", das den Judenboykott vom 1. 4. 33 organisierte, und war maßgeblich am Zustandekommen der Nürnberger Gesetze beteiligt, die ihm allerdings längst nicht weit genug gingen.


    Reich geworden durch den publizistischen Erfolg des "Stürmers" und durch weitere Zeitungsaufkäufe (u. a. "Fränkische Tageszeitung"), nutzte Streicher seine Stellung zu weiterer Vermögensanhäufung u. a. im Zuge der Arisierung. Er hielt fürstlich Hof und war für seine erotischen Ausschweifungen berüchtigt. Lange sah Hitler über die persönlichen Verfehlungen hinweg, bis sich Streicher selbst mit höchsten Parteiführern wie Göring anlegte. Am 13. 2. 40 befand das Oberste Parteigericht unter Buch Streicher "zur Menschenführung nicht geeignet", enthob ihn der Parteiämter und verbannte ihn auf einen Landsitz. Hitler bestimmte jedoch, dass er den "Stürmer" weiter herausgeben und auch den Gauleitertitel weiter führen durfte. Bei Kriegsende tarnte sich Streicher als Kunstmaler, wurde aber am 23. 5. 45 von einem US-Major bei Berchtesgaden erkannt und in Nürnberg vor Gericht gestellt. Am 1. 10. 46 erging gegen den bis zuletzt an seinem fast religiösen antisemitischen Wahn festhaltenden Streicher das Todesurteil wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.