Jungreformatoren

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Eigenbezeichnung einer Gruppe von evangelischen Theologen und Pfarrern, die sich am 9. 5. 33 mit einem "Aufruf zum Neubau der Kirche" in die Diskussion um eine evangelische Reichskirche und um die Wahl eines Reichsbischofs einschalteten. Geführt von einer Gruppe Berliner Geistlicher wie Künneth von der Apologetischen Zentrale, Riethmüller vom Burckhardthaus, dem Generalsekretär der Deutschen Christlichen Studenten-Vereinigung Lilje u.a., forderten die Jungreformatoren zwar wie die Deutschen Christen ein "freudiges Ja zum neuen Staat", betonten aber in deutlicher Gegenposition, dass kirchliche Entscheidungen "allein aus dem Wesen der Kirche" heraus, d. h. vom Bekenntnis her, getroffen werden könnten (Artikel 1). Ein Reichsbischof sollte umgehend ohne "Urwahlen" bestimmt werden (Artikel 2), die Einführung des Arierparagraphen im kirchlichen Raum sei undenkbar (Artikel 7). Die Jungreformatoren förderten damit maßgeblich die Wahl von Bodelschwingh zum Reichsbischof. Bei den Kirchenwahlen vom 23. 7. 33 stellten sie mit der Liste "Evangelium und Kirche" als einzige eine nennenswerte Konkurrenz zu den Deutschen Christen, nachdem inzwischen Niemöller zur Führung der Jungreformatoren gestoßen war. Er sammelte nach der Wahlniederlage die Gegner der deutschchristlichen Kirchengleichschalter im Pfarrernotbund.