Karl Jaspers

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Philosoph

    geboren: 23. Februar 1883 in Oldenburg gestorben: 26. Februar 1969 in Basel


    Medizinstudium, 1909-15 an der Psychiatrischen Klinik in Heidelberg, 1916 Professor für Psychologie, 1922 für Philosophie in Heidelberg. Jaspers machte sich sowohl als Psychologe ("Allgemeine Psychopathologie", 1913) wie als Existenz-Philosoph ("Die geistige Situation der Zeit", 1931) einen Namen. Seine "vernünftige" Weltsicht vertrug sich nicht mit dem Nationalsozialismus, der ihm Verkennung der "vital-rassischen Grundlage" aller Weltanschauung vorwarf und seine Ablehnung allgemeiner Verhaltensrezepte als "Verkörperung der Ratlosigkeit" denunzierte. Jaspers erkannte zunächst weder die Gefahr für sich noch für die Freiheit der Wissenschaft; er nannte die nationalsozialistische Machtergreifung eine "Operette" und Hitlers Herrschaft "einen schlechten Spuk". 1937 wurde er wegen seiner jüdischen Frau nach dem Berufsbeamtengesetz in den Ruhestand versetzt, 1938 folgten Publikationsbehinderungen und 1943 Schreibverbot. Der schon vorbereitete Selbstmord blieb dem Ehepaar Jaspers erspart, da US-Truppen Heidelberg vor der drohenden Deportation erreichten (30. 3. 45). In seiner Schrift "Die Schuldfrage" (1946) wandte sich Jaspers gegen die These von einer deutschen Kollektivschuld, bejahte aber eine politische Haftung. 1948 folgte er einem Ruf nach Basel.