Karl Kraus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer Schriftsteller

    geboren: 28. April 1874 in Gitschin, Böhmen gestorben: 12. Juni 1936 in Wien


    1899 Gründung der Zeitschrift "Die Fackel", von 1912 bis zum letzten Heft 1936 deren Alleinautor. Kraus kämpfte in zahlreichen glossierenden, satirischen Beiträgen gegen die "Verlotterung der Sprache" in Presse und Literatur, für die "Trockenlegung eines großen Phrasensumpfes". Im Sprachverfall artikulierten sich für Kraus Korruption und "Unlauterkeit" der bürgerlichen Gesellschaft. Er setzte sich u. a. mit dem Zusammenhang von Sensationsjournalismus und Sexualjustiz auseinander ("Sittlichkeit und Kriminalität", 1908) oder kritisierte die zeitgenössische Dichtung und Essayistik, in der Ästhetisierung das fehlende moralische Engagement verdecke ("Literatur und Lüge", 1929). Kraus literarisches Hauptwerk ist das pazifistische Drama "Die letzten Tage der Menschheit" (1918/19), in dem er in 200 zum Teil dokumentarischen, zum Teil glossierenden Einzelszenen gegen die publizistisch Verantwortlichen für den Ersten Weltkrieg polemisiert, aber auch gegen Spekulanten, Militärs, Nationalisten. Kraus' humanistisch-radikale, feingeschliffen und aphoristisch formulierte Kritik fand zwar zahlreiche Leser und machte ihren Autor über Österreichs Grenzen hinaus zu einer moralischen Instanz, zog ihm aber zugleich den Hass breiter konservativ-nationaler Kreise zu. Für die Nationalsozialisten, vor deren Machtübernahme Kraus jahrelang warnte, galt er als typischer "jüdischer Kulturbolschewist". Beim Machtantritt Hitlers verfasste Kraus eine Reihe von antifaschistischen Beiträgen über den Zusammenhang von Nationalsozialismus, "Schändung der Sprache" und "Gräuel des Blutes" (postum gesammelt im Buch "Die dritte Walpurgisnacht", 1952).