Karl Wolff

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher SS-Führer

    geboren: 13. Mai 1900 Darmstadt gestorben: 15. Juli 1984 Rosenheim


    Offizier (Gardeleutnant) im Ersten Weltkrieg; 1918-20 Freikorps Hessen; Kaufmann; 1931 NSDAP- und SS-Beitritt. Schon im Juli 33 wurde Wolff persönlicher Adjutant Himmlers und avancierte rasch in der SS: 30. 1. 37 Gruppenführer, 30. 1. 42 Obergruppenführer und General der Waffen-SS. Himmler machte ihn 1936 zum Chef seines Stabs und 1939 zu seinem Verbindungsmann zum Führerhauptquartier. Nächst Heydrich war Wolff damit quasi dritter Mann in der SS. Am 23. 9. 43 ging er als Höchster SS- und Polizeiführer nach Italien, wo er ab 26. 7. 44 als Bevollmächtigter General der deutschen Wehrmacht Mussolinis Marionettenregierung in Salò dirigierte. Eigenmächtig setzte sich Wolff bei sicherer Niederlage mit dem US-Geheimdienst in der Schweiz in Verbindung und erreichte eine vorzeitige deutsche Kapitulation in Italien am 2. 5. 45. Dafür ersparten ihm die Alliierten die Nürnberger Anklagebank und ließen ihn in voller SS-Uniform als Zeugen auftreten. Weniger behutsam war 1949 die deutsche Spruchkammer in Hamburg, die Wolff zu vier Jahren Gefängnis verurteilte. Dass er der "SS-General mit der weißen Weste" nicht war, machte erst vollends ein Prozess vor dem Münchener Schwurgericht deutlich: Wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen (Judendeportationen nach Treblinka) wurde Wolff am 30. 9. 64 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1971 erhielt er Haftverschonung.