Kauen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Kowno, Kaunas/Litauen), nationalsozialistisches KZ, errichtet am 15. 9. 43 auf dem Gelände des jüdischen Gettos im Ortsteil Vilijampole. Kauen war mit mehreren tausend ehemaligen Gettoinsassen (Männer, Frauen und Kinder) belegt, die in der Umgebung der Stadt zum Arbeitseinsatz kamen (Torfstechen, Arbeiten auf einem Flugplatz und in einem Zement- und Kalkwerk). Bei der SS-Wachmannschaft befanden sich viele Volksdeutsche aus Ungarn und lettische SS-Angehörige. Die Unterbringungs- und Verpflegungsverhältnisse waren schlecht.

    Am 26. 10. 43 wurden aus einem Transport von 3 500 Häftlingen, die zum Arbeitseinsatz nach Estland kamen, die Nichtarbeitsfähigen ausgesondert und in die KZ Auschwitz und Lublin-Maidanek transportiert. Am 27. 3. 44 wurde das Lager durchsucht, etwa 1 000 Kinder und 300 arbeitsunfähige alte Leute ausgesondert und in die Vernichtungslager transportiert. Weitere nachträglich entdeckte Kinder und alte Leute (ca. 60 Personen) wurden einen Tag später im Fort IX vor der Stadt erschossen ("Alten- und Kinderaktion"). Am 12. 7. 44 wurde Kauen wegen der anrückenden sowjetischen Truppen evakuiert und die etwa 8 000 Häftlinge in andere KZ gebracht, wobei viele unterwegs umkamen. Nach der Evakuierung wurde das Gelände durchsucht, Verstecke und Bunker gesprengt und das Lager niedergebrannt. Etwa 2 000 Häftlinge, die sich noch im Lager verborgen hatten, kamen ums Leben.