Kinderlandverschickung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (KLV), Organisation eines Erholungsaufenthalts von Stadtkindern in Pflegestellen auf dem Land, die nach 1933 von der NSV zusammen mit der HJ ausgeweitet wurde; davon ist die am 27. 9. 40 eingeleitete "Erweiterte" Kinderlandverschickung zu unterscheiden, die meistens gemeint ist, wenn von Kinderlandverschickung die Rede ist. Hitler beauftragte den nicht mehr für die HJ zuständigen "Reichsleiter für die Jugenderziehung der NSDAP", von Schirach, mit der Koordination von staatlichen Stellen, NSV, NS-Lehrerbund und HJ zur Durchführung der Evakuierung von Kindern und Jugendlichen aus den luftkriegsgefährdeten Städten. Diese Kinderlandverschickung wurde von der NSDAP finanziert, war zunächst freiwillig und nur für sechs Monate vorgesehen. Getrennt nach Geschlechtern wurden die Kinder zwischen zehn und 14 Jahren mit Lehrern ihrer Schule in Lagern, oft außerhalb der Reichsgrenzen, untergebracht.

    Als bei der Verschärfung des Luftkriegs 1943 viele Schulen ihren Unterricht einstellten, bestanden über 5 000 solcher Lager. Sie wurden von meist älteren Lehrern geleitet, den "Dienst" führten nach Anweisung der "Richtblätter" ("Unser Lager") die aus Jungvolk/Jungmädel kommenden "Lagermannschaftsführer" durch. Mädchen wurden auf solche Führungsaufgaben, für den "Gesundheitsdienst" und den Werkunterricht in Lehrgängen intensiver vorbereitet. Die Lager dienten nicht nur der Sicherung von Gesundheit und Ernährung, sondern vor allem der nationalsozialistischen Lagererziehung, die auch den Schulunterricht beeinflusste, in den besetzten Gebieten auch der Demonstration der politischen Präsenz des Reichs. Die Kinderlandverschickung gewöhnte die Jugendlichen an die gewünschte Mobilität und enthob vom Krieg besonders betroffene Erwachsene der Sorge um ihre Kinder. Etwa jedes dritte Schulkind im HJ-Alter dürfte mit einem der insgesamt 9 000 Lager Bekanntschaft gemacht haben, fast so viele jüngere Kinder mit der Kinderlandverschickung als Evakuierungsmaßnahme.