Kinderreiche

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bezeichnung für Familien mit vier oder mehr Kindern ("Vollfamilie"), die von der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik zur Bestandserhaltung des deutschen Volkes propagiert wurde. Der "Ehrenname" Kinderreiche, der sich früher "gedankenlos" oder sogar "in volksfeindlicher Absicht" allein an der Kinderzahl orientiert und auch "asoziale und erbkranke Familien" miterfasst habe, "die hemmungslos unerwünschte Kinder in die Welt setzten", sollte nach nationalsozialistischen Vorstellungen nur noch für "deutschblütige, lebenstüchtige und erbgesunde Familien" gelten. Zur Förderung der Kinderreichen wurde mit Verboten (Geburtenregelung) und Anreizen wie Ehestandsdarlehen oder Kindergeld (Sozialpolitik) gearbeitet, ihre "Betreuung" übernahm das Rassepolitische Amt der NSDAP, das den Reichsbund der Kinderreichen (RDK) überwachte. Zur propagandistischen Aufwertung der Kinderreichen wurde 1938 das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter für Verdienste im "Geburtenkrieg" (Schlagwort von 1936) gestiftet.