Kitsch

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (von englisch sketch = Skizze), Gebrauchs-, Scheinkunst; geprägt durch Nachahmung, unpassende Idyllik, vordergründige Gefühlsansprache, "Kumulation von Effekten" (W. Killy); findet sich sowohl in der Literatur wie in den bildenden oder darstellenden Künsten, besonders als Schmuck von Gebrauchsgegenständen.


    Vor und während des Ersten Weltkriegs spiegelten alle Formen der Gebrauchskunst übertriebenen Patriotismus. Mit Kriegsende verlor der patriotische Kitsch an Bedeutung, überlebte aber in Form von verlogen-sentimentalen, pathetischen Kriegsdarstellungen in Literatur wie bildender Kunst. Erst der "nationale Aufbruch" führte Anfang 1933 zu einem schlagartigen Boom des politischen Kitsch. Die Industrie wollte mit massenweise produzierten Artikeln mit nationalen und nationalsozialistischen Symbolen Wohlverhalten gegenüber den neuen Machthabern ausdrücken und gleichzeitig für ihre nationale Gesinnung und den besseren Verkauf ihrer Erzeugnisse werben. Durch Brotkörbe und Aschenbecher in den Nationalfarben, Fingerhüte und Eierbecher mit Hakenkreuzen, Taschenmesser und leuchtende Kleiderknöpfe mit Führerbildern wollten die Bürger ihre Unterstützung des "neuen Deutschland" so demonstrativ zum Ausdruck bringen, dass Goebbels bereits am 19. 5. 33 ein "Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole" erließ sowie Verbotslisten, um den aufblühenden nationalen Kitsch in Grenzen zu halten. Das Anbringen von nationalen Symbolen zu "Reklamezwecken" oder zusammen mit "minderwertigem Beiwerk", das die "Würde dieser Symbole" verletzen könnte, wurde unter Strafe gestellt; parteiamtliche Symbole und Führerbilder durften nur noch mit Zustimmung der Reichsleitung der NSDAP benutzt werden.

    Der nationale Kitsch ließ sich damit zwar reduzieren, aber nicht beseitigen, zumal die offizielle nationalsozialistische Kunst ebenfalls auf Ausschaltung des Intellekts, starke Gefühlsansprache und Massenwirksamkeit zielte.