Kommissarbefehl

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (offizielle "Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare"), Anordnung Hitlers zur Vernichtung gefangener sowjetischer Kommissare. Bereits am 30. 3. 41 stellte Hitler in einer Besprechung mit der Generalität u. a. fest, dass in dem kommenden Russlandfeldzug Kommissare zu töten seien. Kurz vor Beginn des Überfalls auf die UdSSR wurde ein entsprechender Kommissarbefehl vom OKW/Wehrmachtsführungsstab (Abteilung L) - unter dem Einfluss Hitlers - ausgearbeitet. Hiernach waren im Operationsgebiet politische Kommissare "jeder Art und Stellung", die sich gegen die Truppe wendeten bzw. im Verdacht standen, sich gegen die Truppe gewandt zu haben, noch auf dem Gefechtsfeld von den Kriegsgefangenen abzusondern und zu "erledigen". Kommissare, die im rückwärtigen Heeresgebiet wegen zweifelhaften Verhaltens ergriffen wurden, waren an die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD abzugeben. Die Richtlinien wurden am 6. 6. 41 an die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile mit der Maßgabe übersandt, die Verteilung nur bis zu den Oberbefehlshabern der Armeen bzw. den Luftflottenchefs vorzunehmen; die weitere Bekanntgabe an die Befehlshaber und Kommandeure sollte mündlich erfolgen. Der völkerrechtswidrige Kommissarbefehl blieb nahezu ein Jahr in Kraft. Im Spätsommer 41 häuften sich die Proteste der Truppe beim OKH, das am 23. 9. 41 schließlich beim OKW anregte, "die Notwendigkeit der Durchführung des Kommissarbefehls in der bisherigen Form im Hinblick auf die Entwicklung der Lage zu überprüfen". Der Chef des Wehrmachtsführungsstabs, Jodl, lehnte im Auftrag Hitlers am 26. 9. 41 jede Änderung ab. Erst Anfang Mai 42 ordnete Hitler die versuchsweise Aufhebung des Kommissarbefehls an, "um die Neigung zum Überlaufen und zur Kapitulation eingeschlossener sowjetischer Truppen zu steigern".