Konservativismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im 18. Jahrhundert entstandene geistige und politische Bewegung, um Rechtfertigung und Erhaltung des bestehenden Zustands von Gesellschaft und Staat bemüht, von politisch und wirtschaftlich privilegierten Gruppen getragen. Politisch organisierten sich in der Weimarer Republik die katholisch-klerikalen konservativen Kräfte besonders im Zentrum, die liberalkonservativen in der Deutschen Volkspartei, die eher preußisch-evangelisch konservativen Gruppen, Grundbesitzer, Schwerindustrielle, Offiziere, in der Deutschnationalen Volkspartei. Der in der DNVP gepflegte Konservativismus, verbunden mit einseitiger Interessenvertretung insbesondere für den Großgrundbesitz, hat durch seine antirepublikanische und nationalistische Haltung dem Nationalsozialismus den Boden bereitet und ihn durch Bündnisse (Harzburger Front) aufgewertet. Die NSDAP bekämpfte zwar das "starre Festhalten am Überlebten" im Konservativismus, war aber selbst eine Organisation, "die man vielleicht am besten bezeichnen kann mit dem Wort 'konservativ-revolutionäre Partei'" (Hitler). Die traditionellen Eliten in Deutschland nahmen wegen der Teilidentität der Ziele von Konservativismus und Nationalsozialismus (Revision von Versailles, Aufrüstung, Abschaffung der Demokratie u. a.) so lange die revolutionären Auswüchse billigend in Kauf, bis sie selbst Gefangene des Systems geworden waren.