Konstantin Freiherr von Neurath

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Politiker

    geboren: 2. Februar 1873 in Kleinglattbach gestorben: 14. August 1956 in Vainingen an der Enz


    1901 Gerichtsassessor im Auswärtigen Amt, 1903 beim deutschen Generalkonsulat in London, 1909 Legationsrat und 1914 Botschaftsrat in Konstantinopel, 1919 Akkreditierung als Gesandter in Kopenhagen, 1921-30 Botschafter in Rom, 1930-32 in London. Am 2. 6. 32 wurde Neurath als Reichsaußenminister in das Kabinett Papen berufen. Nach der Amtszeit im Kabinett Schleicher wurde Neurath auch nach der Machtergreifung von Hitler als Außenminister übernommen; seine guten Verbindungen nach England trugen viel zur Aufwertung des Nationalsozialismus im Ausland bei. Er blieb bis zum Revirement nach der Fritsch-Krise am 4. 2. 38 im Amt und wurde danach durch Ribbentrop ersetzt. Erst 1937 der NSDAP beigetreten, war Neurath nach seiner Amtsentlassung Reichsminister ohne Geschäftsbereich und wurde am 18. 3. 39 zum Reichsprotektor in Böhmen und Mähren ernannt. Er blieb ohne besonderen Einfluss, da die eigentliche Macht bei seinem Staatssekretär K. H. Frank lag. Am 27. 9. 41 wurde Neurath angeblich aus Altersgründen, in Wirklichkeit wegen der in Hitlers Augen zu liberalen Amtsführung (trotz Kirchenverfolgung, Rassengesetzen u. a.) beurlaubt und musste 1943 endgültig zurücktreten. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurde Neurath 1946 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Aufgrund eines Augenleidens wurde er 1954 vorzeitig aus der Haft entlassen.