Kriegswirtschaft

    Aus Lexikon Drittes Reich

    vollständige Ausrichtung der nationalsozialistischen Wirtschaft auf militärische Erfordernisse. Trotz der von Anfang an auf Aufrüstung und Krieg hin angelegten nationalsozialistischen Politik war die Wirtschaft 1939 nicht ausreichend auf einen länger währenden Krieg vorbereitet. Sie hatte sich aufgrund der Blitzkriegskonzeption Hitlers auf großen Produktionsausstoß von Rüstungsmaterial zu Anfang des Kriegs eingerichtet: Zwar verfügte sie somit über einen hohen Rüstungsstand, für einen längeren, materialaufwendigen Krieg fehlte ihr dagegen das notwendige Rüstungspotential.

    Der Kriegsbeginn hatte keine wesentliche Umstellung auf eine umfassende Kriegswirtschaft gebracht, weder war die staatliche Planung und Lenkung intensiviert, noch war eine grundlegende Modernisierung der Produktionsanlagen durchgeführt worden. Trotz des am 17. 3. 40 eingerichteten Ministeriums für Bewaffnung und Munition unter Todt wurde die Rüstungsproduktion nicht verstärkt. Deutschland hielt über zwei Jahre an der Strategie der Breitenrüstung (Materialüberlegenheit) fest, der Ausstoß an Waffen und Munition war Anfang 42 noch genauso hoch wie bei Kriegsbeginn. Aus innenpolitischen Gründen wurde die zivile Produktion kaum eingeschränkt, trotz permanenten Arbeitskräftemangels wurde das Potential nicht voll ausgeschöpft: Frauen wurden während des Krieges kaum vermehrt eingesetzt, die Arbeitszeit wurde nicht drastisch verlängert.

    Nach dem Scheitern des Blitzkriegs im Winter 41 (Niederlage vor Moskau und Kriegseintritt der USA) musste die Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umgestellt werden. Mit dem Nachfolger Todts, dem neuen Rüstungsminister Speer, begann im Februar 42 eine neue Periode in der deutschen Kriegswirtschaft: Auf Todts Vorarbeiten aufbauend, stieg unter seiner Leitung die Rüstungsproduktion bis Mitte 44 um das Dreifache. Speer zentralisierte die Produktion rüstungswichtiger Güter, setzte billige und einfache Massenfertigungsanlagen ein, die zudem noch von ungelernten Arbeitskräften, Fremd-und Zwangsarbeitern sowie KZ-Häftlingen bedient werden konnten. Die unkoordinierte Zuweisung von Zwangsarbeitern durch den Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, Gauleiter Sauckel, stand im Gegensatz zu der Auffassung Speers, nach der ausländische Facharbeiter in ihren Heimatländern für Deutschland produzieren sollten. Die ökonomischen Schwierigkeiten wuchsen mit dem Verlust besetzter Gebiete sowie den zunehmenden alliierten Bombenangriffen. Die ständige Rohstoffknappheit und der Arbeitskräftemangel waren nach den militärischen Niederlagen nicht mehr auszugleichen.