Kulmhof

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (polnisch Chelmno), nationalsozialistisches Vernichtungslager im Reichsgau Wartheland. In Kulmhof, einem kleinen Ort bei Lodz (Litzmannstadt), wurde im Oktober/November 41 im Rahmen der Endlösung ein Vernichtungslager insbesondere für die aus Städten und Ortschaften des Warthegaus im Getto Lodz zusammengezogenen Juden eingerichtet. Es bestand aus zwei Teilen: dem Schloss, von dem die Vernichtung ausging, und dem einige Kilometer entfernten "Waldlager", in dem die Leichen in Massengräbern beigesetzt wurden. Kulmhof wurde von einem Sonderkommando (SK) unter Leitung des SS-Hauptsturmführers Lange, der bereits 1940 in Soldau/Ostpreußen die Ermordung von Geisteskranken leitete, eingerichtet und betrieben. Das SK war in drei Gruppen aufgeteilt: Transport-, Schloss- und Waldkommando. Die Ermordung der Juden begann im Dezember 41 in zwei, zeitweise in drei Gaswagen.

    Das Transportkommando brachte die Opfer mit Lkws zum Schloss. Hier wurde ihnen erklärt, sie kämen zum Arbeitseinsatz ins Reich; vor dem Abtransport müssten sie noch baden und ihre Kleidung desinfizieren lassen. Nach der Ansprache wurde den Juden befohlen, sich auszuziehen und ihre Wertsachen abzugeben. Polnische Arbeiter führten sie anschließend in den Keller des Schlosses und von dort zu einem seitlichen Ausgang. Hier mussten sie in den (die) bereitstehenden Gaswagen einsteigen. Nach Schließen der Türen wurde der Motor in Betrieb gesetzt und die Auspuffgase mit einem Schlauch in das Wageninnere geleitet. Nach ungefähr zehn Minuten waren die Opfer tot. Der Fahrzeugführer fuhr dann zu dem von Polizeiposten nach allen Seiten abgesicherten Waldlager. An den Füßen mit Ketten gefesselte jüdische Arbeiter, die von der Vernichtung zeitweise zurückgestellt waren, luden die Leichen aus dem Gaswagen und warfen sie in bereits ausgehobene Gräber. Nach der Entladung säuberten die Arbeiter das Wageninnere und der Gaswagen kehrte zum Schloss zurück, um weitere Opfer aufzunehmen. Die Fahrten wurden so lange fortgesetzt, bis alle an dem betreffenden Tag in Kulmhof eingetroffenen Juden getötet und in die Massengräber des Waldlagers gebracht worden waren. Im Sommer 42 begann man mit der Enterdungsaktion und ging zur Verbrennung der Leichen über. Ende März 43 wurde Kulmhof aufgelöst. Angehörige des SK sprengten das Schloss und erschossen die jüdischen Arbeiter. Das inzwischen Hauptsturmführer Bothmann unterstehende SK wurde zur Waffen-SS-Division "Prinz Eugen" nach Jugoslawien abkommandiert.

    Im April 44 wurde Bothmann mit seinen Leuten zur Wiedererrichtung des Lagers zurückgerufen. Unter Verwendung des bei der Sprengung nicht beschädigten Schlosskellers, einiger aufgestellter Baracken im Schlosshof und im Waldlager begannen erneut die Vergasungen. Die Leichen wurden nun im Waldlager in einem Ofen durch jüdische Arbeiter verbrannt. Im August 44 begann man wieder mit der Auflösung des Lagers. Als sowjetische Truppen näher rückten, kam im Januar 45 der endgültige Befehl zur Auflösung. Bevor das SK abzog, wurden die jüdischen Arbeiter nach erheblichem Widerstand getötet. In der ersten Lagerperiode sind mindestens 145 000 Juden umgebracht worden, in der zweiten wenigstens 7 176. Nach polnischen Angaben sollen in Kulmhof etwa 300 000 Menschen den Vernichtungsmaßnahmen zum Opfer gefallen sein.