Kulturbolschewismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Schlagwort, das sowohl von den Nationalsozialisten wie bürgerlich Konservativen zur Diffamierung der gesamten modernen Kunst und Kultur in der Weimarer Republik benutzt wurde: für die expressionistische und abstrakte Malerei, das sozialkritische Theater, atonale Musik, Bauhausarchitektur, sexualwissenschaftliche Forschung u. a. Der Begriff Kulturbolschewismus ging anfänglich zurück auf die sowjetischen Versuche, nach der Oktoberrevolution einen "Prolet-Kult", proletarisch-revolutionäre Kunst und Kultur, zu begründen. In der deutschen öffentlichen Diskussion sollte Kulturbolschewismus als abwertende Bezeichnung an die antikommunistischen Vorbehalte und Affekte anknüpfen und richtete sich gegen alles, was in den Augen nationaler Kreise eine "zielbewusste Entwertung von Moral, Ehre und Familie, Vaterland" darstellte.