Kunst

    Aus Lexikon Drittes Reich

    die Gesamtheit ästhetisch gestaltenden Schaffens (Literatur, Architektur, Bildhauerkunst, Musik, Film), das von nationalsozialistischen Theoretikern nicht allein auf eine "besondere Phantasie" oder ein "Gestaltwerden metaphysischer Kräfte" zurückgeführt wurde, sondern auch auf die "rassische, blutsmäßige und völkische Zugehörigkeit". Die nationalsozialistische Kunstpolitik war noch nach 1933 mehr durch den Kampf, die Abgrenzung gegen republikanische, linke, moderne Kunst geprägt (entartete Kunst, Kunstbolschewismus) als durch eigene ästhetische Alternativen (Ästhetik). Das "Sinnlich-Triebhafte" der bürgerlichen modernen Kunst wurde abgelehnt, doch das "übersinnliche" Ideal der nationalsozialistischen Kunst blieb vager Entwurf: "Das höchste Kunstwerk des Abendlandes ist ... nicht ein 'Schönes', sondern das Werk, welches das Äußere mit seelischer Stoßkraft durchsetzt, es von innen heraus über sich selbst erhebt" (Rosenberg). Im kulturpolitischen Selbstverständnis des Dritten Reichs war Kunst von geringerer Bedeutung als Propaganda und musste sich politischen Zielsetzungen unterordnen. Daraus ergab sich ein Zwang zur Allgemeinverständlichkeit von Kunst sowie eine auf den unterschiedlichen Grad an Massenwirksamkeit zurückgehende Rangfolge der politischen und materiellen Förderung: Architektur und Film standen an vorderster Stelle, künstlerische Formen, die nur individuell rezipiert wurden, fanden nur wenig oder kein Interesse (z. B. Hörspiel).