Kunstbetrachtung

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Dritten Reich offizielle Bezeichnung für Kunstkritik. Da national und völkisch ausgerichtete Kunst vor 1933 von berufsmäßigen Kritikern in der Regel negativ beurteilt wurde, was den Nationalsozialisten als "Kritik um der Kritik willen" galt, war der Begriff Kunstkritik suspekt. Nach der Machtübernahme wurde für einige Jahre der schmale Spielraum in der gleichgeschalteten Presse zumindest soweit genutzt, dass Goebbels am 27. 11. 36 feststellen musste: "Da auch das Jahr 1936 keine befriedigende Besserung der Kunstkritik gebracht hat, untersage ich mit dem heutigen Tage endgültig die Weiterführung der Kunstkritik in der bisherigen Form." An ihre Stelle hatte ab sofort eine Kunstbetrachtung zu treten, die schildern, aber nicht richten solle, denn eine "absolute Wertbestimmung können allein der Staat oder die Partei geben" (Völkischer Beobachter).