Kunstraub

    Aus Lexikon Drittes Reich

    organisierte Plünderung der Kunstschätze der im Zweiten Weltkrieg deutsch besetzten Länder durch staatliche oder Parteidienststellen, insbesondere den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg. Da Hitler in Linz nach dem "Endsieg" das "größte Museum der Welt" plante, waren die Aktionen des Kunstraubs auch zur Schaffung einer Bestandsgrundlage dafür gedacht. Motor des Kunstraubs aber war Göring, der sich aus der Beute wertvolle Stücke zum Schmuck seiner Villa in der Schorfheide, Karinhall, sicherte, u. a. 52 Bilder der Cranach-Schule. Die geraubten Kunstgegenstände wurden in den Schlössern Neuschwanstein und Herrenchiemsee, in Bergwerksstollen, in Klöstern und Höhlen gelagert oder von Parteigrößen zu dienstlichen Zwecken requiriert. Hatte man zunächst vornehmlich jüdische Sammlungen "sichergestellt", so wurden später (v. a. in Polen durch Generalgouverneur H. Frank) auch die Schätze von tatsächlichen oder angeblichen "Feinden des Reiches" geplündert und schließlich auch vor öffentlichen Museen nicht Halt gemacht. Insgesamt fielen dem Kunstraub nach einer (unvollständigen) Zwischenbilanz vom 15. 7. 44 rund 22 000 Kunstgegenstände zum Opfer, darunter 5 281 Gemälde von Goya bis Watteau. Prominentestes Beutestück war das Bernstein-Zimmer der Zaren.