Kurt Becher

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Standartenführer der Waffen-SS (der Reserve)

    geboren: 12. September 1909 Hamburg


    Kaufmann, 29. 8. 34 (Reiter-)SS- und 1. 5. 37 NSDAP-Beitritt, seit 1938 bei der 2. SS-Totenkopf-Standarte "Brandenburg" in Oranienburg. Becher kam im September 39 zur SS-Totenkopf-Reiter-Standarte 1 nach Polen, die bei Beginn des Russlandfeldzugs als SS-Kavallerie-Regiment eingesetzt wurde. Die Einheit gehörte später zur berüchtigten SS-Kavallerie-Brigade, die an Vernichtungsaktionen gegen Juden beteiligt war. Im März 42 wurde Becher zum SS-Führungshauptamt (SSFHA), Amt Reit- und Fahrwesen, und nach dem deutschen Einmarsch in Ungarn im März 44 mit Sonderauftrag nach Budapest kommandiert.

    Bei Kriegsbeginn einfacher SS-Mann, wurde Becher Anfang 45 zum Oberst der Waffen-SS befördert, wohl auch wegen seiner "Verdienste" in Ungarn: Gegen den Willen der ungarischen Regierung und ohne Rücksicht auf diplomatische Verwicklungen hatte er das größte Rüstungsunternehmen des Landes, den teilweise in jüdischen Besitz befindlichen Manfred-Weiss-Konzern, in die Verfügungsgewalt der SS gebracht. Auch an Eichmanns Verhandlungen mit Vertretern des ungarischen Judentums (J. Brand) über den Freikauf von Juden von den Deportationen in die Vernichtungslager (10 000 Lastwagen gegen eine Million Juden) war Becher beteiligt. Als das Lastwagen-Geschäft gescheitert war, verhandelte Becher weiter und akzeptierte herbeigeschafften Schmuck und andere Wertsachen als "Lösegeld" für 1 700 Juden und veranlasste die Abschiebung von Deportationsopfern in die Schweiz.


    Becher behauptete nach dem Krieg, seine Maßnahmen hätten Tausende ungarischer Juden gerettet. Seine tatsächliche seinerzeitige Rolle aber blieb bis heute ungeklärt.