Kurt Tucholsky

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Schriftsteller

    geboren: 9. Januar 1890 in Berlin gestorben: 21. Dezember 1935 in Hindås bei Göteborg (Schweden)


    Jurastudium, Beginn der literarischen Karriere mit Glossen, Gedichten und Rezensionen 1911 für den "Vorwärts", Durchbruch mit der heiter-verspielten Sommerskizze "Rheinsberg - Ein Bilderbuch für Verliebte" (1912). Zu seiner eigentlichen Bedeutung als Satiriker und politischer Schriftsteller fand Tucholsky nach der Begegnung mit Siegfried Jacobsohn (1881-1926), der ihn zur Zeitschrift "Schaubühne" (ab 1918 "Weltbühne") holte. Tucholsky wurde ihr produktivster Mitarbeiter und legte sich zur Vermeidung von Autorenmonotonie vier Pseudonyme zu: Peter Panter, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser und Theobald Tiger. Er profilierte sich nach dem Krieg als radikaler Pazifist, schloss sich 1920 der USPD, dann der SPD an und polemisierte gegen die Schwächen der Republik, die mit Militarismus, parteiischer Justiz, rechtsradikaler Presse, Spießertum und Nationalismus (zusammen mit Heartfield 1929 "Deutschland, Deutschland über alles!") die eigenen Totengräber dulde und fördere. Mit sprühendem Berliner Witz und beißendem Spott wandte sich Tucholsky, der 1926 für kurze Zeit die Leitung der "Weltbühne" übernommen hatte, auch gegen den aufkommenden Nationalsozialismus (z. B. "Hitler und Goethe - Ein Schulaufsatz", 1932), erzielte aber kaum Wirkung. Er hielt sich immer länger im Ausland auf, um "von meinem Vaterlande auszuruhen", und lebte ab 1929 ganz in Schweden, wo die Liebesgeschichte "Schloß Gripsholm" (1931) entstand. Am 10. 5. 33 wurden seine Schriften auch wegen seiner jüdischen Herkunft Opfer der Bücherverbrennung, am 25. 8. 33 folgte die Ausbürgerung; er bezeichnete sich nun bitter als "aufgehörter Deutscher", versank in immer tiefere Depression und nahm schließlich Gift.