Kurt von Schleicher

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher General und Politiker

    geboren: 7. April 1882 in Brandenburg (Havel) gestorben: 30. Juni 1934 in Potsdam


    während der Ausbildung (ab 1900) Bekanntschaft u. a. mit Hammerstein-Equord und Hindenburg-Sohn Oskar, im Ersten Weltkrieg bei der Obersten Heeresleitung u. a. im Stab Groeners und wie dieser nach Kriegsschluss Befürworter eines Bündnisses zwischen SPD und Militär. Schleicher wurde 1920 Leiter des innenpolitischen Referats im Reichswehrministerium und 1929 Chef der neu geschaffenen, dem Minister direkt verantwortlichen Wehrmachtsabteilung. In diesen Stellungen entwickelte er sein innenpolitisch-ökonomisches Konzept zum Wiedererstarken Deutschlands. 1929 wurde sein Amt zum Ministeramt aufgewertet und Schleicher damit Staatssekretär und Berater des Ministers, der ab 1928 Groener hieß und so Schleicher die obersten Führungsetagen öffnete.

    Zusammen mit seinem Chef und Brüning, dem neuen Reichskanzler ab 28. 3. 30, steuerte Schleicher einen autoritären Kurs und baute angesichts der Lähmung des Reichstags das autoritäre Modell des Präsidialkabinetts aus. Die vornehmlich außenpolitische Akzentuierung der Entscheidungen Brünings führte allerdings bald zur Entfremdung und über die Frage der Abwehr der NSDAP zum Bruch. Nach Brünings Sturz am 30. 5. 32 und der Entmachtung Groeners war Schleicher die Schlüsselfigur bei der Ernennung Papens zum Kanzler, den er vorschob, um im Hintergrund die Fäden zu ziehen, wozu er sich das Amt des Reichswehrministers sicherte. Als Papen einen unerwartet reaktionären Kurs einschlug und die nationalsozialistische Gefahr nach dem Abbröckeln in den Novemberwahlen 1932 zu schwinden schien, übernahm Schleicher die Führung der Regierungsgeschäfte am 3. 12. 32 selbst. Mit einer Gewerkschaftsachse vom linken NSDAP-Flügel bis zum ADGB wollte er eine Mehrheit zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und zum wirtschaftlichen Wiederaufstieg schaffen. Doch sowohl die Spaltung der NSDAP mit Hilfe G. Strassers misslang als auch die Gewinnung der Gewerkschaften, die auf Druck der SPD-Führung den Flirt mit dem General abbrachen.

    Diese Schwäche nutzten Hitler und Papen zu einer Intrige gegen Schleicher beim Reichspräsidenten, der die nun geforderte temporäre Aussetzung der Verfassung dem Kanzler verweigerte und ihn am 28. 1. 33 entließ. Einen Putsch, wie ihn Hammerstein (seit Dezember 29 Chef der Heeresleitung) daraufhin vorschlug, lehnte Schleicher mit Hinweis auf seinen Eid ab. Er machte den Weg zu Hitlers Machtergreifung frei und zog sich ins Privatleben zurück. Hitlers Rache für seinen Angriff auf die Einheit der NSDAP ereilte ihn bei der so genannten Röhm-Affäre: Am 30. 6. 34 drangen SS-Männer in sein Haus ein und erschossen Schleicher und seine Frau, die zu Hilfe geeilt war.