Laienspiel

    Aus Lexikon Drittes Reich

    ursprünglich (1912 von Luserke eingeführte) Bezeichnung für die in der bündischen Jugendbewegung entwickelten Formen von Laientheater, "urwüchsiges und volkstümliches" Theater, das in Gelegenheitsaufführungen für die Darstellenden als Mittel zur Gemeinschaftsbildung dienen und gleichzeitig die "Frische des Naturtalents" ausdrücken sollte. Das Laienspiel, neben heiteren v. a. chorischen und Massenspielen sowie der "gymnastischen Bildung" zuzurechnende "Bewegungsspiele", wurde in der Weimarer Republik besonders von kirchlichen und politischen Jugendorganisationen getragen. Eine große Gruppe von Laienspielautoren und -theoretikern näherte sich bereits vor 1933 der völkisch-nationalen Ideologie an: "Gemeinschaft braucht berufene Führung" (Rudolf Mirbt). 1933 wurde das Laienspiel, wie andere Formen der bündischen Jugendbewegung auch, von der HJ vereinnahmt und organisatorisch gleichgeschaltet, Laienspielverlage an nationalsozialistische Verlagshäuser angeschlossen; Autoren wie M. Barthel, die vor 1933 chorische Spiele und kämpferische Stücke für die Arbeiterjugendbewegung geschrieben hatten, schufen jetzt das völkische Laienspiel für die Nationalsozialisten. Unter der gemeinsamen Verantwortung von Reichsjugendführung, Reichstheaterkammer und KdF wurden Laienspieler weitergebildet, Lehrbriefe und Spielgut herausgegeben. Im Krieg stand das Laienspiel im Dienst der Kriegspropaganda (Theater).