Landjahr

    Aus Lexikon Drittes Reich

    achtmonatige "Lager" für Volksschulabsolventen, eine "nationalpolitische" Einrichtung Preußens, nachfolgend auch anderer Länder, auf gesetzlicher Grundlage. Das Landjahr diente der Umerziehung wechselnder Adressatengruppen (Arbeiterkinder, Landjugend, Rücksiedler). Im Unterschied zum "Landdienst" der HJ für 14- bis 25-Jährige, zu Landhilfe und Erntehilfe stand beim Landjahr der bezahlte Arbeitseinsatz nicht im Vordergrund. Vielmehr taten die 14-/15-Jährigen – außer in der Erntezeit – nur halbtags und unbezahlt praktische Arbeit. Zentrale Bedeutung hatten Lagererziehung und die Schulung, für die die ländliche Umgebung die erlebnismäßige Grundlage liefern sollte. Landjahrerzieher, vielfach aus der bündischen Jugend kommend, konnten so den Schulungsauftrag der HJ stärker pädagogisiert durchführen.

    Die politische Funktion des Landjahrs wandelte sich: 1934 wurde es zur Behebung der Jugendarbeitslosigkeit als Ersatz für ein 9. Schuljahr zu 2/3 für Jungen, 1/3 für Mädchen aus "wirtschaftlichen und politischen Notstandsgebieten" eingerichtet, die für die HJ gewonnen werden sollten. Insbesondere die katholische Kirche opponierte gegen diese Maßnahme. Zwischen 1937 und 40 erhielt das Landjahr das Ansehen einer Einrichtung für eine "Auslese"; es überwogen Landjahrpflichtige aus ländlichen Gebieten, deren Tendenz zur Landflucht das Landjahr erfolgreich entgegenwirkte. Im Krieg wurden die Jungenlager stark reduziert. Die Mädchen konnten im Landjahr das "Pflichtjahr" ableisten. Lager (1938: 450; 1944: 259) wurden überwiegend nahe oder jenseits der Reichsgrenze (als "volkstumspolitische Waffe" und zur Integration volksdeutscher "Rücksiedler" aus Osteuropa) eingerichtet. In zehn Jahren gingen durch sie etwa 264 000 Teilnehmer.