Lateranverträge

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Sammelbezeichnung für die am 11. 2. 29 zwischen Mussolini und dem Heiligen Stuhl (Vatikan), vertreten durch Kardinalstaatssekretär Gasparri, im päpstlichen Lateranpalast abgeschlossenen drei Verträge:

    1. eigentliche Lateranverträge (trattato): Anerkennung der ausschließlichen Staatsgewalt des Heiligen Stuhles über den neuen, souveränen und neutralen "Staat der Vatikanstadt" (Stato della Città del Vaticano) mit dem Papst als Staatsoberhaupt und des Eigentums des Heiligen Stuhles über Kirchen und Paläste im italienischen Staatsgebiet (Artikel 3) und endgültige Bereinigung der seit 1870 durch die Eingliederung Roms als Hauptstadt in das Königreich Italien schwelenden "Römischen Frage" (Artikel 26). #Finanzabkommen (als Anhang IV integraler Bestandteil von 1.: Einmalige Zahlung von 1,75 Milliarden Lire an den Heiligen Stuhl als Entschädigung für die durch die Einbeziehung des Kirchenstaats in den italienischen Staat seit 1860-70 entstandenen Verluste.#Konkordat (concordato) zur Regelung der Rechtsbeziehung zwischen italienischem Staat und katholischer Kirche: Bestätigung der römisch-katholischen Religion als Staatsreligion mit Garantien für die freie Ausübung der geistlichen Gewalt, für den staatlichen Schutz der kirchlichen Ehe, für die Befreiung der ordinierten Kleriker vom Kriegsdienst u. a.Die Lateranverträge bedeuteten für Mussolini und den Faschismus in der katholischen Welt einen wichtigen Zuwachs an Ansehen und politischer Stabilität und dienten als Vorbild für das Konkordat 1933 mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Die Lateranverträge wurden 1947 von der Verfassunggebenden Versammlung in den Artikel 7 der Verfassung der Republik Italien aufgenommen.