Lebensborn

    Aus Lexikon Drittes Reich

    eingetragener Verein im Rahmen des Rasse- und Siedlungshauptamts (RuSHA) der SS, gegründet Dezember 35. In Fortführung des Heiratsbefehls von 1932 trug die Satzung des Lebensborns (13. 9. 36) jedem SS-Mann auf, mindestens vier Kinder zu zeugen; ob ehelich oder nicht, spielte dabei keine Rolle. In den gut ausgestatteten Heimen des Lebensborns sollten die Kinder zur Welt kommen; die Mütter blieben abgeschirmt von der Umwelt, Lebensborn besorgte Geburtsurkunden, regelte den Unterhalt und warb Adoptiveltern. Von Zwangsbeiträgen der hauptamtlichen SS-Führer finanziert, wurden (bis 1944) insgesamt 13 Heime unterhalten, in denen ca. 11 000 Kinder geboren wurden.

    Akten und Unterlagen des Lebensborns sind fast vollständig vernichtet, so dass die tatsächliche Arbeit des Lebensborns nur schwer rekonstruierbar ist. So bleibt fraglich, ob Himmlers unter der Hand verbreitetes Angebot, "dass sich jede unverheiratete Frau, die ... sich nach einem Kind sehne, vertrauensvoll an den Lebensborn wenden könne", der ihr einen "Zeugungshelfer" vermittele, auch wirklich vom Lebensborn eingelöst wurde. Auf jeden Fall verbanden sich mit Lebensborn weitergehende Pläne, wie sie etwa in Himmlers im Mai 42 skizzierten Vorhaben deutlich werden, "unter dem Gesichtswinkel der rund 400 000 heute wohl schon vorhandenen Frauen, die durch den Krieg und seine Gefallenen keine Männer bekommen können", eine Zentrale einzurichten, die "entsprechend dem edlen Gedanken ... der unverheirateten Mütter" gestaltet werden sollte.

    Unklar ist weiterhin der Umfang eines Tätigkeitsfelds, das dem Lebensborn nach Beginn des Russlandfeldzugs zugewiesen wurde, die Mitwirkung bei der Eindeutschung von Kindern "germanischen Typs". Auf 30 Millionen schätzten die Rasseideologen die Zahl des "guten Bluts", das in Europa den Eltern genommen, vom Lebensborn geprüft und an deutsche Adoptiveltern weitergegeben werden sollte. Im RuSHA-Prozess schoben die Verantwortlichen des Lebensborns die Schuld am Kinderraub (Angaben schwanken zwischen mehreren Tausend und 200 000 Fällen) anderen SS-Organisationen zu und kamen mit milden Urteilen davon.