Liberalismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Ende des 18. Jahrhunderts entstandene politische Bewegung, Staats- und Gesellschaftsauffassung, durch die eine freie Entfaltung des Menschen, seine Freiheit von religiöser und staatlicher Bevormundung sowie eine uneingeschränkte Marktwirtschaft vertreten wurde. Als politische Bewegung näherte sich der Liberalismus seit Ende des 19. Jahrhunderts immer stärker dem Nationalismus. In der nationalsozialistischen Propaganda wurden die Prinzipien des Liberalismus zu den zentralen Ursachen für den politischen, moralischen und kulturellen "Verfall" der Weimarer Republik gezählt: Politisch wurde Liberalismus gleichgesetzt mit "alles nivellierender Gleichheit", mit "hemmungslosem Individualismus" und "Weltbürgertum". Wirtschaftlich hatte der Liberalismus nach nationalsozialistischer Auffassung zur "Abhängigkeit breiter Volksmassen", zum Klassenkampf und zu katastrophalen Krisen geführt, kulturell zu "bindungsloser Freiheit", "Entartung" und "Kulturbolschewismus". Im Gegensatz zum Liberalismus bestimmte die nationalsozialistische Weltanschauung die Würde des Menschen nicht aus seinen Rechten und Freiheiten, sondern "durch seine Pflichten", durch seinen "freiwilligen Dienst an der Gemeinschaft", seine "Einsatzbereitschaft für das Volk", an das er " blutlich" gebunden sei.