Lied

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Kunstform mit hohem pädagogischem Stellenwert, von der nationalsozialistischen Erziehung gezielt zur Indoktrination und Gemeinschaftsbildung eingesetzt. Das erwünschte Lied stammte aus verschiedenen Bereichen: aus dem Repertoire der Vaterlandslieder des 19. Jahrhunderts ("Flamme empor"), aus Jugendbewegung und Bündischer Jugend ("Aus grauer Städte Mauern"), aus der nationalsozialistischen ""Kampfzeit" (Horst-Wessel-Lied) und aus den Jahren der Machtergreifung mit zahlreichen Vertonungen von nationalsozialistischen Texten (Schirachs HJ-Lied: "Vorwärts! Vorwärts! schmettern die hellen Fanfaren"). Komponisten der "neuen Zeit" waren insbesondere Altendorf, Baumann, Blumensaat, Borgmann, Dorscht, Heyden, Sotke und Spitta. Als weiterer Liedtyp fungierten Übernahmen oder Bearbeitungen populärer Lieder, darunter auch solche kommunistischer Herkunft, die mit neuen Texten versehen wurden: Aus "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" wurde "Brüder, in Zechen und Gruben".

    Die musikpolitischen Ziele beim Singen waren: Stärkung des völkischen Gemeinschaftsgefühls, Simulation einer konfliktfreien Gesellschaft, Erzeugung emotionaler Hochstimmung, Verankerung von Feindbildern. Das bekenntnishafte Lied diente zudem der Ausgrenzung Außenstehender und der Isolation von Verweigerern ("Die Fahne ist mehr als der Tod"). Nach dem Motto "Jedem sein Lied" wurde das Liedgut gruppenspezifisch geordnet für Kinder, HJ, Frauen, RAD, Wehrmacht u. a. Es erschien eine Flut von Liederbüchern für die zahlreichen Gelegenheiten wie Feiern, Gemeinschaftsabende, Wanderungen, Aufmärsche. Auch das traditionelle Kirchenlied sollte ersetzt werden (Weihnachts-Lied 1936: "Hohe Nacht der klaren Sterne"). Von übergeordneter Bedeutung waren Schlager- und Filmlieder insbesondere im Krieg. Auffällig in vielen Kampf- und Parteiliedern sind die verwendeten Symbole, die auch als Illustrationen in den Büchern auftauchten: Der Kreis als Zeichen der Geschlossenheit, Kameradschaft und Treue, die Fahne als Sinnbild der Bewegung und Orientierung, das Feuer als Signal für Wachsamkeit, aber auch als Zeichen für das naturhaft sich Verändernde, für Kampf und Revolution.