Linz

    Aus Lexikon Drittes Reich

    oberösterreichische Provinzhauptstadt an der Donau mit 115 000 Einwohnern (1934), in der Hitler einen Teil seiner Jugendjahre verbrachte, ohne Abschluss die Realschule besuchte und als verträumter Sechzehnjähriger gewaltige städtebauliche Projekte entwarf, mit Prunkvillen, Museen und einer Donaubrücke, "die er 35 Jahre später mit rechthaberischer Genugtuung nach den Plänen des Halbwüchsigen errichten ließ" (Fest). Hitler, der sich als junger Mann vom "kosmopolitischen" Wien ab- und ausgestoßen fühlte, brachte schon in seinen Münchener Jahren Skizzen zu Papier, nach denen aus Linz eine neue österreichische Metropole werden sollte.

    Nach dem Anschluss Österreichs beschäftigte sich Hitler intensiv mit seinem "Lieblingsprojekt", Linz zum "kulturellen Mittelpunkt" Europas zu machen, mit der größten Kunst- und Gemäldegalerie der Welt. Stadtplanungen sahen eine Prachtstraße mit Monumentalarchitektur vor, am nordöstlichen Ende ein "Hitlerzentrum", an dem mit gewaltiger Säulenfront die Galerie stehen sollte. Die Bilder dafür sollten aus anderen deutschen Museen beigesteuert oder im Ausland "erworben" werden. Dazu diente nach Kriegsbeginn u. a. der ausgedehnte nationalsozialistische Kunstraub im besetzten Europa, an dem auf ausdrückliche Anordnung Hitlers der Dresdener Museumsdirektor Hans Posse mit einem "Sonderauftrag Linz" beteiligt wurde. Der Ausbau von Linz, mit dem sich Hitler noch im Bunker unter der Reichskanzlei 1945 beschäftigte, kam wegen der Kriegsereignisse über das Planungsstadium nicht hinaus.