Lohn-Preis-Politik

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung zur Verhinderung von Lohn- und Preiserhöhungen. Die aufgrund der Aufrüstung ausgeweiteten Produktionskapazitäten und die damit verbundenen Mangelerscheinungen an Rohstoffen und Arbeitskräften bargen die Gefahr von Preis- und Lohnerhöhungen. Die bereits 1931 eingeführte staatliche Überwachung der Preise (Reichskommissar Goerdeler) wurde daher durch eine aktive Preisgestaltung ersetzt. Mit Gesetz vom 29. 10. 36 wurde ein Reichskommissar für die Preisbildung eingesetzt, der umfassende Vollmachten besaß und "volkswirtschaftlich gerechte Preise" durchsetzen konnte. Dazu diente u. a. die Preisstopp-Verordnung vom 26. 11. 36, die alle Preise einfror und das Preisniveau tatsächlich weitgehend stabilisierte: Der Preisindex für Lebenshaltung stieg zwischen 1934 und 39 nur um knapp 5 %.

    Auch für Löhne und Gehälter wurde ein Stopp verfügt. Da der Staat für die Aufrüstung einen ständig wachsenden Anteil am Volkseinkommen benötigte, führte das zu einer Umverteilung zu Ungunsten der Arbeitnehmer. Wegen des zunehmenden Arbeitskräftemangels wurde der Lohnstopp allerdings in einzelnen Branchen umgangen; durch Betriebszulagen und Gratifikationen wurden Arbeitnehmer regelrecht abgeworben. Der Staat schritt dagegen nur zögernd ein, um im Vorfeld des Kriegs Spannungen zu vermeiden (Sozialpolitik), und wählte zur Sicherung der Rüstungsproduktion eher dirigistische Maßnahmen in Rohstoffwirtschaft und Außenhandel.