Ludwig Kaas

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Theologe und Politiker

    geboren: 23. Mai 1881 in Trier gestorben: 15. April 1952 in Rom


    Studium in Trier und am Germanicum in Rom, 1906 Priesterweihe, 1918-24 Professor für Kirchenrecht in Trier; 1919 für das Zentrum in der Nationalversammlung, 1920-33 MdR, seit Dezember 28 Fraktions- und von 1929 an Parteivorsitzender. Kaas stand zunächst wie Adenauer dem rheinischen Separatismus nahe, schloss sich widerstrebend der Stresemann'schen Aussöhnungspolitik an und war als langjähriger Berater des päpstlichen Nuntius Pacelli (Pius XII.) konservativer Vertreter des "römischen" Flügels seiner Partei. Als solcher nicht sonderlich republikfreundlich, befürwortete Kaas nach dem Sturz Brünings (Ende Mai 32), dessen Politik er unterstützt hatte, die Bildung einer Regierung der "nationalen Konzentration" unter Einschluss der Nationalsozialisten. Sie schienen ihm die besten Chancen für eines seiner politischen Hauptziele zu bieten: ein Konkordat zwischen Reich und Rom nach dem Muster der Lateranverträge, die er Ende 32 in der Schrift "Der Konkordatstyp des faschistischen Italien" würdigte. Nach der Machtergreifung setzte Kaas in seiner Fraktion gegen Brüning die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz durch, obwohl ihm Hitler nur vage mündliche Versprechungen gemacht hatte. Wieweit darunter Vertragszusagen waren, ist bis heute strittig. Klar ist, dass nun in erstaunlichem Tempo das Konkordat gefördert wurde, unter maßgeblicher Beteiligung von Kaas in Rom, der das Zentrum ohne Zögern opferte (6. 5. 33 als Vorsitzender durch Brüning abgelöst) und im römischen Exil blieb. 1939/40 knüpfte er lose Kontakte zum deutschen Widerstand, vertrat aber im Allgemeinen den zurückhaltenden Kurs des Papstes gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland.